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Wintersteifigkeit vorbeugen: Das raten die Experten

Kälte und Feuchtigkeit machen vielen älteren Menschen zu schaffen. Doch mit diesen Tricks trotzen Sie Wintersteifigkeit und halten Muskeln fit. Warum Bewegung doppelt zählt.

Wintersteifigkeit vorbeugen: Das raten die Experten

Bewegung ist gerade in der kalten Jahreszeit sehr wichtig, sagen Experten.    Foto: dpa-tmn

Wenn es draußen kalt und nass wird, klagen viele ältere Menschen über steife Muskeln und Gelenke. Fachleute sprechen von „Wintersteifigkeit“-Beschwerden mit Schmerzen, eingeschränkter Beweglichkeit und Morgensteifigkeit, die oft auch den Kreislauf belasten. 

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) rät: Entscheidend ist, in Bewegung zu bleiben. "Schon kleine Routinen im Alltag machen einen großen Unterschied“, sagt DGOU-Präsident Prof. Christoph H. Lohmann. 

Warum Kälte Beschwerden verstärkt
Sinkende Temperaturen und feuchte Witterung drosseln die Durchblutung, Bänder und Sehnen werden starrer, die Gelenkflüssigkeit verändert sich. Kalte Feuchtigkeit kann Schwellungen fördern, Luftdruckschwankungen die Schmerzen verstärken. Besonders betroffen: Menschen mit Arthritis, Arthrose, Rheuma sowie Muskel- und Sehnenerkrankungen - aber auch Patientinnen in den Wechseljahren sowie Personen mit Über- oder Untergewicht.

Die wichtigsten Tipps
→ Täglich bewegen
Spaziergänge, Gymnastik, leichtes Gerätetraining
→ Aufwärmen
Vor jeder Aktivität Muskeln und Gelenke langsammobilisieren
→ Richtig kleiden
im "Zwiebelschalenprinzip" - inklusive warmer Schuhe, Handschuhe und Mütze
→ Wärme nutzen
Wärmflasche, Heizkissen oder Wärmepads; regelmäßige Saunagänge können die Durchblutung fördern → Früh handeln
bei anhaltenden oder plötzlichen Beschwerden ärztlichen Rat einholen

Welche Bewegung sich eignet
Regelmäßige Aktivität stärkt Muskeln, hält Gelenke geschmeidig und beugt Stürzen vor. "Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Walking oder Physiotherapieübungen sind besonders geeignet“, sagt Prof. Bernd Kladny von der DGOU. Vor allem gleichmäßige Bewegungen - etwa lockeres Gehen, Heimtrainer oder leichte Gymnastik - bereiten den Körper gut vor. Bei Aktivitäten im Freien empfiehlt sich ein Schal oder Tuch vor Mund und Nase, weil Bronchien empfindlich auf kalte Luft reagieren.

Unternehmen aus der Region

Die Folgen von Bewegungsmangel
Wer in der dunklen Jahreszeit wenig aktiv ist, verliert Muskelkraft und Koordination - das erhöht das Sturzrisiko und kann Herz-Kreislauf-Beschwerden begünstigen. Häufig entsteht eine Schmerzspirale: Schmerzen führen zu weniger Bewegung, weniger Bewegung führt zu mehr Schmerzen.

Umgekehrt wirkt mehr körperliche Aktivität nicht nur günstig auf den Bewegungsapparat, sondern auch auf Lungen- und Herzgesundheit sowie Psyche, so die Stiftung Gesundheitswissen. 

Wann zum Arzt?
Wenn Schmerzen nicht klar mit Kälte erklärbar sind, mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen sind oder die Beweglichkeit plötzlich eingeschränkt ist, sollten Betroffene eine orthopädische Praxis aufsuchen. Je nach Befund helfen Physiotherapie, Wärme und gezielte Übungen; kurzfristig auch Medikamente oder manuelle Verfahren.



dpa/tmn


Melatonin-Sprays: Kaum Nutzen, viele Mängel

Ein Spritzer für besseren Schlaf? Darauf hoffen viele, die zu Melatonin präparaten greifen.

Schlafmittel mit Melatonin boomen. Doch ein aktueller Test von 19 frei verkäuflichen Melatonin-Sprays zeigt: Die meisten Produkte bieten gesunden Menschen mit Schlafproblemen kaum Nutzen, bergen aber gesundheitliche Risiken, heißt es in der aktuellen Ausgabe von „Öko-Test“ (10/2026). 16 der getesteten Präparate wurden mit "Mangelhaft“ oder "Ungenügend“ bewertet. Lediglich drei Sprays erhielten die Note "Ausreichend“. 

Das Hormon Melatonin wird vom Körper zur Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus gebildet. Als Arzneimittel ist es in bestimmten Fällen zugelassen - etwa für Menschen über 55 mit Ein- und Durchschlafstörungen oder für Kinder mit speziellen Erkrankungen, denen es zeitlich begrenzt verordnet werden kann. Anders sieht es bei Nahrungsergänzungsmitteln aus: Diese dürfen bei einer Tagesdosis bis zu 1 Milligramm beworben werden, ohne als Medikament zu gelten. Doch der Nutzen für gesunde Anwender ist laut einem von "Öko-Test“ in Auftrag gegebenen, wissenschaftlichen Gutachten gering: Die Einschlafzeit verkürzt sich demzufolge im Schnitt um nur sieben Minuten. 

Unternehmen aus der Region

Gleichzeitig warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor möglichen Melatonin-Nebenwirkungen wie Benommenheit, verminderter Aufmerksamkeit oder Gangunsicherheit - auch bei kurzzeitiger Einnahme und Dosierungen unter 1 Milligramm. Langzeitrisiken, etwa für Kinder oder Menschen mit Diabetesrisiko, gelten als unzureichend erforscht. Besonders kritisch: In über der Hälfte der getesteten Sprays wichen die gemessenen Melatoningehalte deutlich von den Deklarationen ab. Einige Produkte überschreiten damit nach Einstufung einiger Kontrollbehörden die Grenze zum Arzneimittel. 

Hinzu kommt, dass viele Anbieter wichtige Warnhinweise - etwa für Risikogruppen wie Kinder, Schwangere oder Menschen mit Autoimmunerkrankungen - nicht oder nur unvollständig aufführen. "Wichtige Infos fehlen auf allen Melatonin-Sprays - hier sparen die Anbieter an der falschen Stelle zum Nachteil des Verbrauchers“, so Christine Throl von "Öko-Test“. 

Sparen könnten sich etliche Präparate hingegen pflanzliche Zusätze wie Passionsblume oder Hopfen, die in über der Hälfte der Sprays enthalten sind: Sie verbessern laut aktueller medizinischer Leitlinie zu Schlafstörungen die Wirksamkeit nicht nachweislich. Dennoch werben manche Hersteller weiterhin mit nicht belegten Aussagen. 

Nicht nur die Öko-Tester finden Melatoninpräparate für Kinder problematisch. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor leichtfertigem Umgang, die Einnahme könne die sonst recht stabile innere Uhr durcheinanderbringen und Einfluss auf Hormone haben.



dpa/tmn