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Stuttgart lokal

Was war der "Gaisburger Regen"?

Am östlichen Ufer des Neckars steht er wie ein stummer Zeuge vergangener Industriezeiten, weithin sichtbar aus fast allen Stadtteilen: der Gaskessel von Stuttgart-Ost. Einst Herzstück der Gasversorgung, heute Technikdenkmal. Dem Gaswerk verdankte Gaisburg jahrzehntelang den so genannten "Gaisburger Regen".

Was war der "Gaisburger Regen"?

Eines der bekanntesten Industriedenkmäler in Stuttgart: Der Gaisburger Gaskessel. Im kleinen Bild sogar als Kunstvorlage: Als Lebkuchenhaus in einer Ausstellung im Stadtpalais.   Fotos: arc/Schenk

Mehr als 100 Meter hoch, 300 000 Kubikmeter Volumen und über ein Jahrhundert im Mittelpunkt städtischer Infrastruktur - der Gaskessel im Stadtteil Gaisburg gehört zu den markantesten Bauwerken im Osten Stuttgarts. Das Gaswerk Stuttgart-Gaisburg liegt im Stuttgarter Stadtteil Gaisburg an der Bundesstraße 10. Es ist eine Anlage der EnBW-Tochtergesellschaft Netze BW GmbH (früher Technische Werke der Stadt Stuttgart und Neckarwerke Stuttgart).

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Aus Kohle wurde Stadtgas erzeugt
Das Gaswerk wurde 1874/1875 erbaut und diente der Stadtgaserzeugung aus Kohle bis 1972. Der erste große Gaskessel wurde 1928-1929 erstellt. 1971 kam ein Flüssigerdgas-Speicher dazu, der der Hauptgasversorgung von Stuttgart dient, 1978/1979 zwei Flüssiggas-Kugelbehälter, welche 2009 wieder abgerissen wurden. 

Dem Gaswerk verdankte der Vorort von Stuttgart den so genannten "Gaisburger Regen“. Bei jedem Ablöschen des Koks entstand eine Dampfwolke, die bei dem meist vorherrschenden Westwind als Niederschlag über Gaisburg niederging. 

Oskar Schlemmers Tarnanstrich konnte die Bomben nicht abhalten
Das Wahrzeichen des Gaswerks ist der von MAN nach dem Funktionsprinzip eines Scheibengasbehälters errichtete Gaskessel. Er wurde mit den gleichen Maßen wie der ursprüngliche Kessel von 1928/1929 gebaut, der - trotz eines von Oskar Schlemmer entworfenen Tarnanstrichs - bei einem Fliegerangriff im Februar 1944 vollständig zerstört wurde. Doch nur wenige Jahre nach dem Ende des Krieges, 1949, errichtete man ihn mit identischen Maßen neu, diesmal gebaut von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, um die Energieversorgung der boomenden Stadt wieder zu unterstützen.

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Der Kessel hat eine Höhe von 102,5 Metern, sein Durchmesser beträgt 69 Meter. Sein enormer Speicher-Raum von rund 300 000 Kubikmetern machte ihn zu einem der größten seiner Art in Europa. Er steht als Technikdenkmal unter Denkmalschutz. Am 31. August 2021 wurde der Gaskessel offiziell außer Betrieb genommen. Über den weiteren Verwendungszweck wurde bisher noch keine Entscheidung getroffen. 

Der Gaskessel in Stuttgart-Ost, auch bekannt als Gasometer von Gaisburg, gehört zu den markantesten Wahrzeichen dieses Stadtbezirks und steht wie kaum ein anderes Bauwerk für die technische und städtische Entwicklung Stuttgarts seit dem Industriezeitalter. 

Er ist Teil des historischen Gaswerks am Neckar, einer Anlage, die dort seit dem 19. Jahrhundert die Energieversorgung der wachsenden Stadt sicherstellte. Bereits 1874/75 wurde das Gaswerk in Gaisburg errichtet, um Stadtgas für Beleuchtung und Industrie aus Kohle zu erzeugen. Diese zentrale Rolle behielt es über fast ein Jahrhundert, bis die traditionelle Gaserzeugung 1972 eingestellt wurde. 

Der große Gaskessel selbst entstand in den Jahren 1928/29 als Teleskop-Scheibengasbehälter. Er ersetzte ältere, kleinere Behälter und galt als technisches Meisterwerk seiner Zeit.
Mit dem wirtschaftlichen Wandel der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlor die traditionelle Produktion und Speicherung von Stadtgas zunehmend an Bedeutung. Bereits ab 1972 diente das Gaswerk nicht mehr der Erzeugung, sondern ausschließlich der Zwischenspeicherung und Verteilung von Gas. Zusätzliche Flüssiggas-Behälter wurden in den späten 1970er-Jahren errichtet, später aber wieder abgebaut. 

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Bis 2021 blieb der Gaskessel als einer der größten noch in Betrieb befindlichen Scheibengasbehälter Europas in Funktion und prägte mit seiner Silhouette das Stadtbild von Stuttgart-Ost. Mit seiner außer Betriebnahme im August 2021 endete eine rund hundertjährige Epoche industrieller Struktur am Neckar. Heute steht er unter Denkmalschutz, ein technisches Monument, das für Generationen die Erinnerung an die Geschichte der Gasproduktion in Stuttgart wachhält. 

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Mehr als nur ein Industrie-Relikt
Neben seiner Rolle als Zeitzeuge der Industriegeschichte ist der Gaskessel zugleich Gegenstand lebhafter Debatten über eine neue Nutzung dieses Bauwerks. Einwohner und Stadträte sehen in dem riesigen Zylinder mehr als nur ein Relikt: Es gibt Vorschläge, ihn als Energiestandort für erneuerbare Wärme, als Kultur- und Veranstaltungsraum oder gar als öffentlichen Treffpunkt mit Solarfassade und kreativen Nutzungen zu gestalten. Solche Ideen spiegeln den Wunsch wider, Industriegeschichte mit zukunftsweisender Stadtentwicklung zu verbinden.

In Stuttgart-Ost, einem Stadtbezirk, der wie kaum ein anderer von der Industrialisierung und dem anschließenden Wandel geprägt wurde, steht der Gaskessel als ikonisches Symbol für Transformation. Wo einst Kohlengas in den Leitungen pulsierte, könnte in Zukunft vielleicht erneuerbare Energie fließen oder städtisches Leben neu interpretiert werden. Was bleibt, ist ein Monument der Ingenieurkunst und der urbanen Erinnerung.


Von Christian Günther