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Risiko, Rendite und die Rolle von social media: Was bei der Geldanlage zählt

Zinsen, Krisen und „Finfluencer“: Experten raten bei der Geldanlage zu Geduld und langfristigem Denken - entscheidend seien frühes Handeln, realistische Risikoeinschätzung und passende Anlagestrategie

Risiko, Rendite und die Rolle von social media: Was bei der Geldanlage zählt

Die Expertenrunde des Round Tables (von links): Moderator Chris Fleischhauer, Norbert Brendel (Volksbank Mittlerer Neckar eG), Vanessa Hanzel (Sparda-Bank Baden-Württemberg eG) und Heiner Probst (Kreissparkasse Esslingen Nürtingen). Foto: Roberto Bulgrin

Chris Fleischhauer eröffnet die Runde mit einer grundsätzlichen Frage: „Mit welchen Anliegen kommen die Menschen heute zu Ihnen?“ Die Antworten der Experten zeigen, viele suchen vor allem eins: Orientierung. „Die Kunden wollen wissen, ob ihre Anlagestrategie noch zu Zinsen und geopolitischer Lage passt und ob sie insgesamt gut aufgestellt sind“, weiß Vanessa Hanzel (Sparda-Bank Baden-Württemberg eG).

Dabei gibt es nicht den einen typischen Anleger. Norbert Brendel (Volksbank Mittlerer Neckar eG) betont: „Die Anliegen unterscheiden sich stark nach Alter, Vermögen und persönlicher Lebenssituation.“ Auffällig sei jedoch, dass viele Menschen inzwischen ruhiger auf Krisen reagieren. „Die große Panik ist nicht mehr da, viele Menschen sind krisenresistenter geworden“, beobachtet Norbert Brendel die Entwicklung.

Das bestätigt auch Heiner Probst (Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen): „Die Menschen haben gelernt, mit Schwankungen umzugehen und stärker zu prüfen, ob ihr Portfolio noch zur aktuellen Situation passt.“

Ein großes Thema ist der Einfluss sozialer Medien und sogenannter Finfluencer. „Viele glauben, sie seien gut informiert, obwohl ihnen oft das tiefere Verständnis fehlt“, ordnet Chris Fleischhauer zunächst ein. Heiner Probst sieht darin eine Gefahr: „Das Problem ist der Hype. Viele greifen schnell Trends auf, ohne die Hintergründe wirklich zu verstehen.“

Dennoch sehen die Experten darin auch Chancen: „Junge Menschen sind neugieriger, offener und eher bereit, sich mit langfristigen Geldanlagen zu beschäftigen“, weiß Vanessa Hanzel und ergänzt: „Unser Auftrag ist es, verständliche Lösungen zu finden, die zur jeweiligen Lebenssituation passen.“

„Wer länger als fünf Jahre investiert, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, positive Ergebnisse zu erzielen“

Ein zentrales Problem bleibt das Verhältnis von Rendite und Risiko. Norbert Brendel macht deutlich: „Rendite und Risiko gehören immer zusammen, aber viele Kundenhaben dafür keine klare Vorstellung.“ Verluste würden häufig abstrakt wahrgenommen. „Zehn Prozent klingen zunächst wenig, aber bei größeren Beträgen wird daraus schnell ein spürbarer Verlust.“ Deshalb müssten Risiken in der Beratung konkret gemacht werden.

Unterschätzt werde auch die Inflation. Wer Geld dauerhaft auf niedrig verzinsten Konten liegen lässt, verliert Kaufkraft. Norbert Brendel warnt: „Nominal bleibt das Geld gleich, aber real wird es weniger wert.“ Nicht zu investieren sei im Übrigen auch ein Risiko, betont Heiner Probst. „Viele warten auf den perfekten Moment und lassen Geld jahrelang ungenutzt liegen.“

Beim Thema Zeit sind sich die Teilnehmenden einig: Langfristigkeit ist einer der wichtigsten Faktoren erfolgreicher Geldanlage.

Vanessa Hanzel bringt es auf den Punkt: „Die größte Herausforderung ist, den Kundinnen und Kunden in der Beratung zu vermitteln, dass sie Geduld haben müssen.“ „Wer länger als fünf Jahre investiert, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, positive Ergebnisse zu erzielen“, erklärt Norbert Brendel. Schwankungen gehörten dazu, könnten sich über längere Zeiträume aber ausgleichen.

Vanessa Hanzel warnt außerdem vor emotionalen Entscheidungen: „Viele steigen aus, wenn die Kurse fallen, und steigen wieder ein, wenn sie hoch sind.“ Genau dieses Verhalten könne Rendite kosten. Entscheidend sei, dass Anlegerinnen und Anleger schwierige Marktphasen aushalten, weiß Heiner Probst.

„Sinnvoller sind Sparpläne oder schrittweise Einstiege, weil sie helfen können, Schwankungen zu glätten.“ Ein weiteres Grundprinzip für eine erfolgreiche Geldanlage ist die breite Streuung. „Viele glauben, sie seien breit investiert, dabei tragen sie ein hohes Einzelwertrisiko“, erklärt Norbert Brendel. Deshalb sei Diversifikation entscheidend: „Eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen reduziert das Risiko deutlich.“

Zu den verschiedenen Anlagemöglichkeiten gehören Aktien, Anleihen, Gold und Immobilien. Letzteres bildet einen besonders wichtigen Baustein ab: „Die eigenen vier Wände können ein zentraler Teil der Altersvorsorge sein“, betont Vanessa Hanzel. Wer in Gold investiert, muss dieses sicher verfahren, auf keinen Fall zu Hause und am besten in einem Schließfach, und zusätzlich versichern. „Eine Versicherung kostet natürlich Geld aber ist unbedingt empfehlenswert“, betont Norbert Brendel.

Wer heute sein Geld anlegen möchte, kommt an ETF's nicht vorbei. Norbert Brendel erklärt die börsengehandelten Indexfonds: „Ein ETF bildet in der Regel einen Index ab und ermöglicht einen einfachen Zugang zum Aktienmarkt. Auch Profis greifen hier zu.“ Der Vorteil liege in der breiten Streuung und den meist niedrigen Kosten. Doch ein ETF sei nicht automatisch die beste Lösung für jede Situation und Person. „ETF's sind gut aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss“, betont Probst.

Junge Anlegerinnen und Anleger sollten trotz digitaler Angebote das Gespräch mit ihrer Bank suchen

Zurückhaltender äußern sich die Experten bei Kryptowährungen. „Der Anteil am weltweit investierten Geld ist gering, gerade mal zwei Prozent, die mediale Aufmerksamkeit gleichzeitig enorm hoch“, beobachtet Probst. „Wir geben derzeit keine Empfehlung für Kryptowährungen ab“, stellt Brendel klar, während Hanzel deutlich macht: „Krypto sollte kein Investment sein, von dem man finanziell abhängig ist.“

Auch digitale Plattformen bei der Geldanlage diskutiert die Expertenrunde. Sie erleichtern den Zugang zu Aktien, ETFs und Kryptowährungen, senken aber auch die Hemmschwelle für schnelle Entscheidungen. „Wenn Kaufen und Verkaufen mit einem Klick möglich ist, handeln viele zu impulsiv“, warnt Probst. Ein einfacher Zugang sei positiv, ersetze aber kein Finanzwissen. Junge Anlegerinnen und Anleger sollten demnach trotz digitaler Angebote das Gespräch mit ihrer Bank suchen, fasst Chris Fleischhauer die Meinungen der Teilnehmenden zusammen.

Bei all den vielfältigen Anlageformen und leicht zugänglichen Plattformen, Geld zu investieren, gehen viele trotzdem nicht den ersten Schritt, mit der Geldanlage aktiv zu starten. „Was sind die häufigsten Hürden?“ will der Moderator wissen. „Für viele Menschen ist Geldanlage zu abstrakt oder sie möchten sich nicht intensiv damit beschäftigen“, nennt Probst einige Gründe. Manche hätten negative Erfahrungen gemacht, andere hielten an alten Glaubenssätzen fest, weiß Hanzel. Und: „Oft sind es falsche Erfahrungen aus der Familie oder ein fehlender eigener Antrieb, die Menschen vom Anfangen abhalten.“

„Anfangen und nicht warten. Es gibt kein, zu spät“.“

Norbert Brendel nennt einen weiteren, verbreiteten Irrtum: „Viele glauben, sie müssten den perfekten Einstiegszeitpunkt finden, dabei ist es wichtiger, überhaupt anzufangen.“ Timing werde überschätzt, Strategie dagegen unterschätzt.

Zum Schluss richtet Chris Fleischhauer den Blick auf konkrete Empfehlungen. Der wichtigste Rat fällt eindeutig aus: „Anfangen und nicht warten. Es gibt kein, zu spät“, sagt Vanessa Hanzel. Schon kleine Beträge könnten über lange Zeiträume Wirkung zeigen, besonders bei Sparplänen.

„Wer 50 Euro im Monat über einen Zeitraum von zehn Jahren anlegt, der wird begeistert sein, was am Ende durch den Zinseszinseffekt erreicht werden kann“, weiß Probst und ergänzt: „Man sollte sich Zeit für Beratung nehmen und offen für eine Strategie sein.“

Norbert Brendel rät abschließend zu mehr Entschlossenheit: „Viele sparen zu vorsichtig. Hier braucht es mehr Mut.“ Entscheidend sei, den ersten Schritt nicht immer weiter aufzuschieben. Die zentrale Erkenntnis des Round Tables lautet damit: Erfolgreiches Investieren beginnt nicht mit perfekten Prognosen, sondern mit einem breit aufgestellten Portfolio. Wer breit streut, Geduld mitbringt und Risiken realistisch einschätzt, kann auch in unsicheren Zeiten Chancen nutzen und sein Geld gewinnbringend anlegen.

Von Bianca Menzel


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