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Immer nah am Menschen

Fachkräfte der Sozialarbeit werden in den unterschiedlichsten Bereichen gebraucht. Je nachdem sieht auch die Ausbildung und Spezialisierung aus.

Immer nah am Menschen

Begleiten und Lösungen suchen - Sozialarbeit ist sinnstiftend Foto: Stock.Adobe./V. Honcharuk

Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen erstrecken sich von A wie Altenpfleger bis Z wie Zahntechnik. So vielfältig die Möglichkeiten sind, Menschen zu helfen, Jung wie Alt, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, so vielfältig sind auch die Berufswege. Eine Ausbildung, der Besuch von Fachschulen, das Studium an Universität oder Hochschule, alles ist möglich. Und: Qualifizierte Fachkräfte sind in den Bereichen Sozialarbeit, Erziehung wie auch Pflege überaus gefragt.

Pflege und Pädagogik

Eine sehr breit gefächerte Ausbildung, die für ein großes Arbeitsfeld qualifiziert, ist beispielsweise die zum Heilerziehungspfleger, zur Heilerziehungspflegerin. ,,Der Beruf verbindet Pflege und Pädagogik. Man arbeitet mit Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen jeden Alters zusammen", erzählt Dorothea Werner. Die Diplom-Sozialpädagogin unterrichtet an der Ludwig Schlaich Akademie in Waiblingen, einer Bildungseinrichtung für sozial-pflegerische Berufsfelder, die ihren Namen übrigens dem einstigen Leiter der heutigen Diakonie Stetten verdankt, der das Berufsbild des Heilerziehungspflegers entwickelt hat. Im Fokus der Arbeit steht die Betreuung, Unterstützung wie auch Förderung der Menschen, um ihnen zu mehr Selbstbestimmung in ihrem Alltag und Teilhabe in der Gesellschaft zu verhelfen. Heilerziehungspflegerinnen und -pfleger können etwa in Werkstätten und Wohnstätten Menschen mit besonderem Förderbedarf zur Seite stehen, sie sind in Heimen und Kliniken gefragt, bei ambulanten Diensten wie auch der offenen Hilfe oder in inklusiven Kindergärten.

„Nach der Ausbildung bieten sich zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten an - hier an der Akademie unter anderem etwa auch zum Heilpädagogen, Heilpädagogin", weiß Werner. Heilpädagogen erarbeiten für ihre Klienten therapeutisch-pädagogische Maßnahmen, um deren geistige als auch körperliche Fertigkeiten zu fördern. Denkbar ist auch ein Studium der Sozialen Arbeit. Fachkräfte sind immer dort im Einsatz, wo Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien in besonderen Lebenssituationen Hilfe benötigen. Unter anderem im Bereich Berufseinstiegsbegleitung, Schulsozialarbeit, in Jugend-, Kinderund Altenheimen oder in der Suchtberatung. Die DHBW Stuttgart bietet im Verlauf des dreijährigen, interdisziplinär angelegten Studiums der Sozialen Arbeit verschiedene Vertiefungsfächer an.

Soziale Arbeit im Gesundheitswesen

„Hilfe zur Selbsthilfe geben ist das Ziel", beschreibt Prof. Dr. Kathrin Ripper die Studienrichtung Soziale Arbeit im Gesundheitswesen. Menschen mit psychischen Störungen, Suchtproblemen, wie auch körperlichen Erkrankungen werden Hilfe- und Unterstützungsangebote aufgezeigt, oder speziell entwickelt. Es ist einfach faszinierend, Menschen dabei zu begleiten, wenn sie Lösungen für ihre Probleme suchen - und finden. Wir machen uns zusammen auf den Weg, wie Bergsteiger und Sherpa", so Ripper.

Florian Koenig ist so ein „Sherpa". In einem Adaptionszentrum, das auf die stationäre Behandlung abhängiger Menschen folgt, hat der Sozialpädagoge mit Alkohol-, Drogen-, Spielsüchtigen jeden Alters gearbeitet. ,,Es ist schon eine herausfordernde Arbeit, aber auch ein sehr abwechslungsreiches und interdisziplinäres Arbeiten", erläutert Koenig.

Am Abend zu wissen, dass man einem Menschen habe helfen können, sei jedoch sehr befriedigend. Und zudem ist da das Entwicklungspotenzial seines Berufs: Er könnte weiter studieren und den Master machen - oder eine Weiterbildung in Richtung Management oder Therapie anstreben? Neben der Suchthilfe fände er auch Einsatzgebiete in der Psychiatrie, der Psychosomatik oder im Kliniksozialdienst.

Im Fokus: bis 6-Jährige

In Schulen und Grundschulen wird der Mangel an Fachkräften der Sozialarbeit immer offenkundiger. ,,Für Kinder im Alter bis sechs Jahren und deren Eltern ist eine Begleitung durch Sozialarbeitende mindestens ebenso wichtig, wird aber weniger publik gemacht", weiß Lisa Franck. Im Rahmen ihres Studiums der Sozialen Arbeit hat sie sich für die Vertiefungsrichtung Elementarpädagogik entschieden, da die sozialpädagogische Arbeit in Kitas wie auch Familienzentren angesichts der Interkulturalität, wie der wachsenden Zahl von Kindern mit Fluchterfahrung, immer wichtiger werde. ,,Man hat das ganze Familiensystem im Blick, ist sensibilisiert für die Verhaltensweisen der Kinder", sagt Lisa-Marie Kreß von der Fakultät Sozialwesen. Und Lisa Franck erzählt aus der Praxis: von Familien, die Hilfe beim Umgang mit Behörden benötigen, dem Initiieren von Netzwerken unter den Eltern, wie auch vom ,,Blick über den Tellerrand hinaus." Julia Alber

VIELE STELLEN UNBESETZT

Fachkräftemangel: Der Mangel an Fachkräften ist allgegenwärtig. Extrem fällt er aktuell in den Bereichen Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Erziehung und Altenpflege aus, berichtet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Fachkräfte, so die Studienautorinnen Filiz Koneberg und Helen Hickmann, würden besonders in den Bereichen Berufseinstiegsbegleitung, Altenheime, Suchtberatung, Schulsozialarbeit, Kinderund Jugendheime benötigt. Zwischen Juni 2021 bis Juli 2022 kamen in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik nach Angaben des IW auf rund 26 500 offene Stellen lediglich etwas unter 6000 Qualifizierte, mithin bleiben 20 000 Stellen unbesetzt.

Prognose: Laut der Mittelfristprognose des Fachkräftemonitorings vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, werden zwischen 2020 und 2025 in der Berufsgruppe ,,Erziehung, Sozialarbeit, Heilerziehungspflege" rund 288 000 Stellen neu zu besetzen sein. Bei 136 000 Stellen handele es sich um frei gewordene Stellen, weil deren Inhaber in den Ruhestand gehen, rund 152 000 jedoch seien aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach Kinderbetreuungsangeboten neu zu besetzen. jal