Seit der Industrialisierung zieht es die Menschen weg vom Land in die Stadt. Laut der World Bank lebten 2023 rund 77,7 Prozent, also die Mehrheit der Gesamtbevölkerung Deutschlands, in Großstädten. Doch der Bevölkerungszuwachs in den Ballungszentren verlangsamt sich. Die SpardaStudie „Wohnen in Deutschland 2023“ zeigt: 2022 zog es besonders junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren in die Zentren der Großstadtregionen. Die jungen Leute hatten dabei vielfach die Universitätsstädte zum Ziel. Und auch die 50bis 65-Jährigen sind es, die das Stadtleben mit den kurzen Wegen und vielfältigen Angeboten noch immer zu schätzen wissen. Besonders jedoch die Altersgruppe der 30bis 49-Jährigen entscheiden sich vermehrt für ein Leben auf dem Land, entdeckt dieses oft im Zusammenhang mit der Familiengründung oder als Familie.
Städte, beliebt bei der Jugend und den Senioren
Die Frage ist, was kann man sich leisten, und wie möchte man leben. Abgesehen von äußeren Zwängen ist die Entscheidung für ein Leben in der Stadt oder auf dem Land aber letztendlich auch Typ-Sache. Das Landleben punktet mit günstigem Wohnraum. Singles - und insbesondere Familien - finden mehr Platz und Entfaltungsmöglichkeiten, die bezahlbar sind. Die Nebenkosten fallen auf dem Land meist geringer aus. Das Wohnumfeld steht für Naturnähe und in der Regel weniger Verkehrslärm. Tierfreunde haben selten ein Problem, sich Tiere zu halten.
Perspektivlosigkeit auf dem Lande, muss nicht sein. Viele Gemeinden werben mit schneller Internetverbindung und guter Kinderbetreuung. Dank Homeoffice wird der gegebenenfalls längere Weg zur Arbeit akzeptabel. Professor Dr. Stephan Kippes von der HfWU Nürtigen-Geislingen und Leiter des IVD Marktforschungsinstituts, rät jedoch, den Pendlerradius bei der Entscheidung für das Landleben gegebenenfalls genau zu hinterfragen, da derzeit so manches Unternehmen die Zeiten fürs Homeoffice reduziert.
Außerdem sei es sinnvoll, die Strecke vorab Probe zu fahren. Wird per Zug gependelt ist es wichtig, wie pünktlich die Züge sind, ob man einen Sitzplatz bekommt und wie sicher man Anschlusszüge erreicht. Das Defizit an kulturellen Angeboten auf dem Land wird durch das soziale Miteinander aufgewogen. Gemeinschaft und Nachbarschaft unter den Dorfbewohnern stehen der Anonymität des Großstadtlebens gegenüber. Eine Studie des Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung in Zusammenarbeit mit der Wüstenrot-Stiftung weist allerdings darauf hin, dass, wer sich im Ortskern niederlässt, mittendrin ist, während außerhalb gelegene Neubaugebiete das Zusammenwachsen der Zugezogenen mit den Alteingesessenen eher erschweren.
Mehr erschwinglicher Wohnraum auf dem Land
Wer sich Wohnraum, in einer Stadt leisten möchte, muss über gute Finanzen verfügen. Die Preise für Immobilien, von der Mietwohnung über die Eigentumswohnung bis hin zum Eigenheim sind hoch. Tatsächlich gibt es in der Stadt weit weniger Wohnfläche für das gleiche Geld als auf dem Land. In Stuttgart, so die Sparda-Studie „Wohnen in Deutschland 2023“, liegt der Kaufpreis für einen Quadratmeter Wohneigentum durchschnittlich bei 5249 Euro. Im direkten Umland lassen sich im Vergleich dazu 19 Prozent, also durchschnittlich fast 1000 Euro pro Quadratmeter sparen. „Der Markt regelt sich, die Preise in Stuttgart und der Region haben sich angepasst“, erklärt Kerstin Schmid, die Geschäftsführerin der E & G Privaten Immobilien GmbH. So sei in der Region mit bis zum 30 Prozent ein besonders starker Preisrückgang zu verzeichnen. In der Landeshauptstadt selbst falle dieser mit 10 bis 15 Prozent dagegen etwas niedriger aus. „Abgesehen von Baugrundstücke für den Geschossbau, scheint der Trend zu Preisabschlägen in Stuttgart aktuell gestoppt“, sagt Professor Stephan Kippes: „Bei Objekten mit sehr gutem Wohnwert ziehen die Preise sogar wieder leicht an.“
Städte sind hinsichtlich der Infrastruktur meist besser aufgestellt als ländliche Gegenden. Die Wege sind in der Regel kürzer, ob Einkaufsmöglichkeiten, ärztliche Versorgung, Kindergarten, Schule. Und ein Auto muss nicht zwingend sein – der öffentliche Personennahverkehr sorgt für Mobilität ohne Parkplatzprobleme und so manche Zeit im Stau. Die Auswahl an kulturellen Angeboten und Freizeitmöglichkeiten ist groß - nicht zu vergessen das Nachtleben, das es in den Städten gibt. Und, die Stadt bietet auch durchaus weit mehr Möglichkeiten eines Arbeitsplatzes. Dem gegenüber kann der Weg ins Grüne oft sehr weit sein, und man muss sich gegebenenfalls mit Autoverkehr und Lärm arrangieren.
Von Julia Alber
STADT ODER LAND?

Angesichts wachsender Bevölkerungszahlen und steigender Wohnraumnachfrage bieten Neubaugebiete dringend benötigten Wohnraum und schaffen Platz für Familien, Singles und Senioren. Gleichzeitig sind sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Bauprojekte fördern lokale Unternehmen und schaffen Arbeitsplätze.