Noch bis zum 20. März zeigt die Galerie AbtArt in ihrem Studio 75 a eine Ausstellung von Malerinnen und Malern im 19./20. Jahrhundert Möhringen und Sonnenberg, eine Kooperation von AbtArt, dem Stadtmuseum Stuttgart und dem Heimatmuseum Möhringen. Irene Reichert, die ehrenamtliche Leiterin des Heimatmuseums Möhringen, hat zusammen mit ihrem ehrenamtlichen Team die Ausstellung geplant, konzipiert und umgesetzt. Sie und ihr Team stehen zu den Öffnungszeiten bei Fragen der Ausstellungsbesucher Rede und Antwort.
Wertvolle Bilder aus Privatbesitz
Bereits zum dritten Mal hat die Galerie AbtArt ihr Studio 57 aman geht durch die Galerie und den Hof ins Nachbargebäude und findet dort die Ausstellung des Heimatmuseums für eine Kunstausstellung zur Verfügung gestellt. Die wertvollen Bilder, alles Leihgaben aus Privatbesitz, sind so auch über die Galerie versichert und in besten Händen.„Innerhalb Innerhalb von zehn Tagen hatte ich schon 40 Bilder zusammen“, strahlt Irene Reichert. Bei der Vernissage im Februar waren über 100 Gäste dabei, die Galerieräume platzten aus allen Nähten.
Auf die Ausstellungsbesucher warten nicht nur kunstvolle Gemälde in verschiedenen Stilen der vielen Möhringer Künstler, sondern auch altbekannte Motive aus Möhringen und Umgebung: etwa die Alte Körschmühle, die Martinskirche und das Waldbauer-Haus in der Filderbahnstraße noch vor der Zerstörung im 2. Weltkrieg oder Karikaturen von Eduard Mörike, der ja als junger Pfarrvikar für eine kurze Zeit im Pfarrhaus in der Oberdorfstraße gelebt hat.
Irene Reichert hat in einem Ordner Informationen und Lebensläufe über die ausstellenden Maler und Malerinnen zusammengetragen. Hier können die Besucher alles nachlesen und so manche Anekdote und interessante Details aus den vielen unterschiedlichen Lebensläufen erfahren. So wird. die Ausstellung auch zu einem Stück Geschichte Möhringens.
Zu sehen sind etwa Bilder von Hermann Bäuerle (1886–1972). Er war Gründungsmitglied der Stuttgarter Sezession und Vorsitzender des Schwäbischen Künstler-Verbandes. 1943 wurde er verhaftet. Sein Bild von der Place du Tertre in Paris ist das Plakatmotiv der Ausstellung.


Auch mit ihren Werken vertreten sind die Maler Simon Dittrich (geboren 1940) und Ernst Feuerstein (1899–1986). Zu Ernst Feuerstein erzählt Irene Reichert eine Anekdote. Der Maler, der in einem Kelleratelier in der Richterstraße hauste, war so bettelarm, dass er regelmäßig einen Stand mit seinen Bildern aufbaute, um diese für wenig Geld zu verkaufen. Die Familie Schrade vom Bäcker Schrade hat ihm aus Mitleid regelmäßig ein Mittagessen vorbeigebracht.
Irene Reichert hat einige Anekdoten zu erzählen
Tell Geck (1895–1986) war der Sohn des Druckereibesitzers und Sozialdemokraten Adolf Geck und von Marie Geck. Beim Bombenangriff auf Stuttgart verlor er einen Großteil seiner Werke. Erhalten sind aber Karikaturen aus den frühen 20er Jahren.
Des Weiteren sind Werke sowohl vom Grafiker und Kunstmaler Heinrich Kurt Gläsche Senior (1874–1956) als auch von Heinrich Maria Kurt Gläsche Junior (1908–1963) mit Farbholzschnitten in der Ausstellung zu bewundern.
Mit vertreten sind außerdem Werke von Ernst Heeber (1898–1992) und Ida Kerkovius (1879–1970). Sie ist als viertes von zwölf Kindern einer Gutsbesitzer-Deutschbaltischen und Kaufmannsfamilie in Riga geboren, war 1923 beim Bauhaus in Weimar und lebte und starb in Sonnenberg.
Interessant auch die Bilder von Eugen Kucher (1889–1945). Mit Zeichenstift und Pinsel hielt er zwischen 1920 und 1940 den ländlich geprägten Charakter der Dörfer Degerloch und Möhringen bildlich fest. 1945 kam er bei einem Tieffliegerangriff zu Tode. In der Ausstellung dürfen auch „Kuhbilder“ von Christian Friedrich Mali (1832–1906) nicht fehlen – und dann natürlich auch Bilder seiner Nichten Anna Peters (1843–1926) und Pietronelle Peters (1893–1919), die beide in Sonnenberg lebten: Die eine malte gerne Stillleben, die andere Kinderbilder, beide waren eng mit Königin Charlotte befreundet. Auch hier kann Irene Reichert so manche Anekdote erzählen.
Werke von Manfred Oesterle (1928–2010), der als Schnellzeichner für das Fernsehen arbeitete und in den 50er und 60er Jahren Simplizissimus-Mitarbeiter war, sowie von der Musikerin und Malerin Eva Schorr (1848–1924) und Willi Treppl (1928–2020) ergänzen die Ausstellung.
Von Christian Günther
Info
Malerinnen und Maler im 19./20. Jahrhundert Möhringen und Sonnenberg
Ausstellung vom 24. Februar bis 20. März 2026 bei AbtArt Studio 57 a, Rembrandtstraße 18
Geöffnet Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr
Eintritt frei.