Herr Reichhold, die diesjährigen Meisterinnen und Meister mussten die Vorbereitung und auch ihre Prüfungen in Zeiten von Corona machen. Hat sich die Pandemiesituation ausgewirkt?Natürlich standen die Handwerkerinnen und Handwerker durch die Auswirkungen der Pandemie vor großen Herausforderungen – die überragend gelöst wurden. Als persönliche Treffen nicht mehr möglich waren, wurde das Lernen zu Hause vor dem Laptop plötzlich zur Normalität. In dieser Ausnahmesituation bewiesen die jungen Menschen viel Disziplin und eigneten sich auch komplexe Inhalte eigenverantwortlich an. Daran sind sie enorm gewachsen. Auch die Prüfungsbedingungen waren speziell. So mussten Masken getragen und Abstands- regeln eingehalten werden. Die hervorragenden Ergebnisse beweisen, dass trotz aller Schwierigkeiten die hochgesteckten Ziele erreicht wurden.Groß ist auch die Freude, dass wir nach zwei Meisterfeiern im Hybridformat die heraus- ragenden Leistungen endlich wieder gemeinsam bei unserer Meisterfeier auf dem Gelände der Landesmesse in Stuttgart feiern können.
Seit Mai 2020 gibt es die Meisterprämie von 1500 Euro. Handwerkerinnen und Handwerker können sie nach erfolgreichem Meisterabschluss beantragen. Hat das mehr junge Menschen motiviert, den Meister zu machen?
Lange hat die Handwerksorganisation für die Meisterprämie gerungen – wir haben aber im Interesse unseres Unternehmer- und Führungskräftenachwuchses das Ziel erreicht. Die 753 erfolgreichen Meisterinnen und Meister des aktuellen Jahrgangs profitieren nun davon. 613 junge Handwerker haben 2020 den Antrag bei der Handwerkskammer Region Stuttgart gestellt und kamen in den Genuss der Prämie. Letztes Jahr ging die Zahl nach oben auf 670 Personen. Die Zunahme der Anträge ist auch ein aussagekräftiges Zeichen dafür, dass ihr Anreiz wirkt und mehr Nachwuchskräfte motiviert, ihren Meister zu machen.
Was bietet die Kammer den Meisterinnen und Meistern an Unterstützungen und Beratungsangeboten an?
Nach dem Meistertitel stehen den Handwerkerinnen und Handwerkern viele Türen offen. Sie können als Fachkräfte in einem Betrieb durchstarten, sich selbstständig machen oder fachlich weiterentwickeln. In all diesen Bereichen unterstützt sie die Handwerkskammer mit kompetenter Beratung. Im Bereich der Weiterbildung können sie beispielsweise den Geprüften Betriebswirt (HwO) in der Bildungsakademie der Handwerkskammer absolvieren. Er ist die höchste Qualifikationsebene im Bereich Unternehmensführung und vermittelt viel Managementwissen.
Weil das Netzwerken auch im Handwerk von großer Bedeutung ist, möchten wir außerdem mit dem MeisterClub eine neue Idee umsetzen. Er schafft eine Plattform zum persönlichen Austausch von jungen Meisterinnen und Meistern, sodass gewerkübergreifende Kooperationen und Netzwerke zwischen Betrieben gefördert werden. Mit verschiedenen Angeboten möchten wir zudem die potenziellen Führungskräfte in ihrer Entwicklung stärken.