Wenn Tausende Menschen zusammen feiern, bleibt am Ende vor allem eines zurück: Müll. Schalen, Becher, Servietten, Besteck - was während eines Festivals kaum auffällt, türmt sich danach zu Bergen. Für Veranstalter ist das längst mehr als ein logistisches Problem. Nachhaltigkeit ist zu einem Qualitätsmerkmal geworden, das viele Besucher erwarten. Und gerade beim Essen und Trinken zeigt sich, wie ernst Festivals das Thema Müllvermeidung nehmen.
Die Probleme sind bekannt: Foodtrucks und Stände arbeiten unter hohem Zeitdruck, Einwegverpackungen sind schnell zur Hand. Getränke werden zügig ausgegeben, Becher ebenso schnell entsorgt. Inzwischen gibt es jedoch eine Vielzahl an nachhaltigen Lösungen, die sich bewährt haben. An erster Stelle stehen Mehrwegsysteme. Pfandbecher sind heute Standard, doch immer mehr Festivals gehen weiter und setzen auf wiederverwendbare Schalen, Teller und sogar Besteck. Anbieter wie Recup oder Relevo haben gezeigt, dass digitale Pfandsysteme mit App-Rückgabeprozessen auch bei großen Menschenmengen funktionieren. Für Caterer bedeutet das zwar eine Umstellung, aber auch klare Vorteile: weniger Müll, weniger Entsorgungskosten und ein moderneres Image.
Ein konkretes Beispiel aus der Region Stuttgart liefert das Kessel Festival: Dort sind Verköstigungen grundsätzlich nur in nachhaltigen Verpackungen erlaubt. Speisen werden entweder in recycelbarem Bioeinweggeschirr oder in Bioplastik (PLA) ausgegeben, klassische Einwegverpackungen sind ausgeschlossen. Auch für Snacks „auf die Hand“ gilt eine klare Regel - sie werden nur mit Serviette ausgegeben.
Aus Sicht der Veranstalter liegt die Verantwortung für Müllvermeidung nicht beim Publikum. „Müllvermeidung auf dem Festival ist kein Besucherthema, sondern ein Veranstalterthema“, betont Tobias Reisenhofer, Geschäftsführer der Kessel Festival GmbH & Co. KG. Gemeinsam mit dem Entsorgungspartner werde das Konzept jährlich analysiert und weiterentwickelt. Der Ansatz zeigt: Klare Vorgaben für Anbieter können helfen, Müll gar nicht erst entstehen zu lassen.
Bei vielen Festivals kommen auch alternative Materialien wie kompostierbare Verpackungen zum Einsatz. Diese können jedoch nur in speziellen industriellen Kompostieranlagen verwertet werden, die nicht überall verfügbar sind. Veranstalter setzen daher auf konsequente Mülltrennung: Gut sichtbare Sammelstationen, klare Beschilderung und geschultes Personal machen einen großen Unterschied. Manche Festivals arbeiten zusätzlich mit „Green Teams“, die Besucher aktiv ansprechen und beim Sortieren unterstützen. Ein weiterer Schlüssel liegt in der Kommunikation, denn wer das Publikum frühzeitig informiert, erreicht mehr Akzeptanz. Hinweise in der Festival-App, kurze Durchsagen oder sichtbare Infotafeln helfen dabei, auf das Thema aufmerksam zu machen. Manche Festivals setzen sogar auf kleine Anreize: Wer Mehrweg nutzt, bekommt einen Rabatt oder sammelt Punkte für nachhaltiges Verhalten. Diese sogenannten Nudging-Strategien setzen auf kleine Anstupser, die Menschen zu umweltfreundlicherem Verhalten lenken, und wirken oft besser als strenge Regeln.
Trotz aller Fortschritte bleibt die Müllvermeidung eine Herausforderung, denn Mehrwegsysteme sind personal- und kostenintensiv. Caterer müssen ihre Abläufe anpassen und nicht jede Besuchergruppe reagiert positiv auf neue Regeln. Auch Essensreste sind schwer zu vermeiden, denn sie entstehen durch unpassende Portionsgrößen, spontane Käufe oder schlicht durch ein Überangebot. Manche Festivals experimentieren daher mit kleineren Portionen, flexibleren Mengen oder Kooperationen mit Foodsaving-Initiativen.
Die Richtung ist jedoch klar: Digitale Pfandsysteme werden weiter ausgebaut, Städte und Kommunen verschärfen ihre Vorgaben und das Publikum erwartet zunehmend nachhaltige Lösungen. Festivals, die heute investieren, profitieren langfristig, und zwar nicht nur ökologisch, sondern auch in der Wahrnehmung ihrer Gäste. Denn ein Festival, das Verantwortung übernimmt, schafft ein Erlebnis, das über die Musik hinaus wirkt.
Von Brigitte Bonder