Anzeige

Stuttgart lokal

Aufwind beim Wohnungsbau in Baden-Württemberg

Stuttgart zieht Baden-Württemberg im Wohnungsbau aus dem Tief: Im Regierungsbezirk legen Bauanträge um 74 Prozent zu, während andere Regionen noch im Minus verharren.

Der Wohnbau nimmt Fahrt auf. Foto: BHW
Der Wohnbau nimmt Fahrt auf. Foto: BHW

Erstmals seit zweieinhalb Jahren zeigt der Wohnungsbau in Baden-Württemberg wieder klare Erholungstendenzen. Treiber ist der Regierungsbezirk Stuttgart, der unter allen vier Bezirken am stärksten zulegt. Das ergibt eine aktuelle Auswertung des IVD-Instituts. Im ersten Halbjahr 2025 wurden landesweit über 10.700 neue Wohneinheiten genehmigt. Gegenüber dem schwachen Vorjahreszeitraum entspricht das einem Plus von 12 Prozent. Verglichen mit 2021 – dem letzten Jahr vor dem Einbruch – klafft jedoch weiterhin eine große Lücke: Die Zahl der Baufreigaben liegt um 55 Prozent darunter.

„Wir verzeichnen einen sehr deutlichen Anstieg – allerdings von einem sehr niedrigen Niveau“, sagt Prof. Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts. Die Stabilisierung der Zinsen habe den Trend gedreht, gleichwohl schnitten die aktuellen Werte „sehr schlecht“ ab, wenn man sie mit der Vor-Corona-Zeit vergleiche. Sein Warnhinweis: „Die Zahlen der letzten Jahre dürfen nicht der Maßstab sein.“

Auffällig ist die Dynamik im Regierungsbezirk Stuttgart. Hier stiegen die Genehmigungen gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 um 74 Prozent. Tübingen lag nahezu auf Vorjahresniveau (-2 Prozent), Karlsruhe (-14 Prozent) und Freiburg (-15 Prozent) verharren noch im Minus. Im Fünfjahresvergleich 2021-2025 zeigen alle Bezirke deutliche Rückgänge – von -50 Prozent (Stuttgart) bis -62 Prozent (Karlsruhe).

Ein gemischtes Bild liefert die Regionenebene. In sechs von zwölf Regionen gab es markante Zuwächse, angeführt von der Region Stuttgart (+89 Prozent). Heilbronn-Franken (+56 Prozent), Ostwürttemberg (+55 Prozent), Neckar-Alb (+50 Prozent) sowie Schwarzwald-Baar-Heuberg (+46 Prozent) folgen. In sechs weiteren Regionen wurden hingegen bis zu 34 Prozent weniger Wohnungen genehmigt. Über den längeren Zeitraum 2021-2025 reichen die Einbußen von -40 Prozent (Region Stuttgart) bis -72 Prozent (Hochrhein-Bodensee).

Auf Kreis- und Stadtebene bleibt Stuttgart die Ausnahme. Die Landeshauptstadt verzeichnet gegenüber 2021 ein Plus von 24 Prozent. Besonders starke Einbrüche melden Pforzheim (-88 Prozent), Karlsruhe (-86 Prozent), Ulm (-80 Prozent), Mannheim (-77 Prozent) sowie die Landkreise Konstanz und Lörrach (je -77 Prozent). Immerhin: In 28 von 44 Stadt- und Landkreisen sind die Erholungssignale inzwischen deutlich, etwa in Baden-Baden, dem Zollernalbkreis, Heidenheim, dem Schwarzwald-Baar-Kreis und Tuttlingen.

Als Bremsklötze nennt Kippes stark gestiegene Material- und Personalkosten, verschärfte Anforderungen an Neubauten und lange Zeit hohe Zinsen. Viele Bauträger hätten Projekte deshalb auf Eis gelegt; die erzielbaren Verkaufspreise bei Fertigstellung seien schwer kalkulierbar.

Sein Fazit: „Nach mehrjähriger stark gesunkener Bautätigkeit ist es dringend notwendig, staatliche Impulse zu setzen, um den vorprogrammierten Wohnungsengpässen entgegenzusteuern.“
red