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Kevin Latzel Bezirksvorsteher von Obertürkheim: „Die Menschen halten zusammen“

Obertürkheim zwischen Tradition, Wachstum und Modernisierung: Stadtentwicklung mit neuen Projekten und großen Aufgaben – Wohnbau, Rathaussanierung, Integration und Vereinskultur

Kevin Latzel Bezirksvorsteher von Obertürkheim: „Die Menschen halten zusammen“

Nach fünf Jahren als Bezirksvorsteher verlässt Kevin Latzel Obertürkheim in Richtung Remshalden. Dort wurde er zum Bürgermeister gewählt.

Mit 51,6 Prozent ist Kevin Latzel am 19. April zum Bürgermeister von Remshalden gewählt worden. Damit verabschiedet er sich demnächst aus Obertürkheim. Dienstlich wie menschlich nehme er viel mit, sagt der 46-Jährige.

Vor fünf Jahren haben Sie als Bezirksvorsteher angefangen. Wie wurden Sie aufgenommen?

2021 war mitten in der Corona-Pandemie - die Vereine konnte ich zu Beginn gar nicht richtig kennenlernen. Das habe ich schnell nachgeholt, und ich bin wirklich mit offenen Armen empfangen worden. Es gab natürlich scherzhafte Vorbehalte, wenn jemand von der anderen Seite des Neckars kommt. Aber ich kann heute sagen: Ich bin ein Teil von hier geworden.

Was waren die größten Herausforderungen?

Die ersten Monate standen ganz im Zeichen von Corona. Wir haben im Rathaus erst ein Testzentrum, später ein Impfzentrum eingerichtet - das haben wir gemeinsam mit dem Team vom Gesundheitsamt gut hinbekommen. 

Dazu gab es eine ganze Serie von Baustellen, zweimal kurz vor dem Weihnachtsmarkt im Ortskern. In solchen Momenten hilft mir mein Optimismus - den habe ich von meiner Mutter, einer Kölnerin, mitbekommen. Und bisher ist es immer gut ausgegangen. 

Viel Unruhe gab es, als in der Augsburger Straße eine Landeserstaufnahme-Einrichtung für rund 1000 Geflüchtete geplant wurde bei -  5000 Einwohnern im Stadtteil war das von der Dimension her einfach nicht stimmig. Der Bezirksbeirat hat sich einstimmig dagegen positioniert. Einer Erweiterung der bestehenden Unterkunft in der Hafenbahnstraße haben wir hingegen zugestimmt.

Das Uhlbacher Rathaus wird abschnittsweise saniert: Ein Wasserschaden ist behoben, im Sommer folgen Keller, Erdgeschoss und voraussichtlich die Außenwände.
Das Uhlbacher Rathaus wird abschnittsweise saniert: Ein Wasserschaden ist behoben, im Sommer folgen Keller, Erdgeschoss und voraussichtlich die Außenwände.

Wie hat die Integration dort funktioniert?

Sehr gut Kinder sind in unseren Kitas und Schulen integriert, das Familienzentrum Heidelbeere leistet dabei gute Arbeit. Die aktuelle Unterkunft wurde für 160 Personen gebaut, mit einem weiteren Riegel wäre Platz für rund 100 Menschen mehr. Baurechtlich ist alles vorbereitet. Ob es dazu kommt, hängt vom wir haben keine Probleme. Die tatsächlichen Bedarf ab - die Flüchtlingszahlen gehen zurück.

Unternehmen aus der Region

Welche Bau- und Sanierungsprojekte beschäftigen den Stadtbezirk gerade?

Auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände ist im Oktober der Spatenstich für das neue Stadtquartier der SWSG - das ist ein echter Meilenstein, den ich von Anfang an begleiten durfte. 

Beim Rathaus in Uhlbach hemmt uns die angespannte Haushaltslage der Stadt. Wir sanieren abschnittsweise: Ein Wasserschaden im Keller ist behoben, im Sommer folgen Keller, Erdgeschoss und hoffentlich auch die Außenwände. Aktuell können wir dort keine Trauungen anbieten, nur das Kulturforum nutzt die Räume. Es muss trotz Finanzkrise weitergehen - sonst geht die Bausubstanz dieses Kulturdenkmals kaputt. 

Ganz in der Nähe ist die Kita Kleine Gasse fast fertig. Dort können wir im Sommer mit dem Bezug starten.

Im Oktober soll es auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände mit dem Bauprojekt der SWSG losgehen. Fotos: Martina Fürstenberger
Im Oktober soll es auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände mit dem Bauprojekt der SWSG losgehen. Fotos: Martina Fürstenberger

Das Bürgerbüro wird nach Hedelfingen verlagert. Wie sehen Sie das?

Die Zusammenlegung der Bürgerbüros in den oberen Neckarvororten bis 2030 ist eine gute Lösung. Hier in Obertürkheim haben wir zwei Mitarbeitende - bei Krankheit war das immer schwierig. Ein zentrales, größeres Büro fängt das besser auf. Und ich hoffe, dass bis dahin noch mehr Dienstleistungen online erledigt werden können, sodass der Gang ins Bürgerbüro ohnehin seltener notwendig wird.

Unternehmen aus der Region

Was sind die besonderen Stärken des Stadtbezirks?

Vor allem der Zusammenhalt der Menschen. Wir haben ein reges Vereinsleben, einen Weihnachtsmarkt, den Plätzles-Cup, das Maibaumfest, ein Dorffest. Bei der letzten Let's-Putz-Aktion in Uhlbach haben 80 Leute mitgemacht. Als es einmal in Uhlbach gebrannt hat, war die Hilfsbereitschaft überwältigend. Die Leute schauen aufeinander. Nicht umsonst ist Obertürkheim der sicherste Stadtbezirk in ganz Stuttgart.

Wie steht es um die Nahversorgung?

Das Ladensterben macht auch vor Obertürkheim nicht halt. Der Cap-Markt und der Wochenmarkt in Uhlbach funktionieren gut und es ist wertvoll, dass es dort noch Bäcker und zumindest tageweise einen Metzger gibt. Die eigentliche Zukunftsaufgabe aber ist eine andere: Wir müssen dafür sorgen, dass der Stadtteil für Ärzte attraktiv bleibt.

Worauf blicken Sie gerne zurück?

Wir konnten in fünf Jahren vieles anstoßen - die Pop-up-Bibliothek, die Bauprojekte, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Letzteres lag mir besonders am Herzen: Dass Kinder merken, ihre Anregungen werden ernst genommen. Fast alle Vorschläge aus der Sicherheitsbegehung mit den Grundschulkindern haben wir umgesetzt. 

Und ich gehe nicht nur dienstlich - ich gehe auch menschlich. Obertürkheim und Uhlbach haben mich geprägt. Ich nehme viel mit. 

Das Gespräch führte Martina Fürstenberger.

Zur Person

Kevin Latzel, Jahrgang 1979, ist in Hedelfingen aufgewachsen und seit 2021 Bezirksvorsteher von Obertürkheim. Nach seiner Ausbildung bei der Stadt Fellbach und einem Zwischenstopp bei der Landesversicherungsanstalt Württemberg ist er seit 2001 für die Landeshauptstadt Stuttgart tätig.

Neue Aufgabe Am 19. April 2026 wurde er im ersten Wahlgang zum Bürgermeister von Remshalden gewählt, wo er seit 16 Jahren lebt. Die Amtseinsetzung ist für den 26. Juli geplant. fb