379 Katholiken gab es vor 100 Jahren in Obertürkheim. „Damals war der Ort fast rein protestantisch“, weiß Andreas Keller, der sich eingehend mit der Historie der Gemeinde befasst hat. Umso mehr hielten die Katholiken zusammen - und bauten im Jahr 1926 eine erste eigene Kirche, die auch von Gläubigen aus Uhlbach und Hedelfingen besucht wurde. Diese Holzkirche stand in der Bergstraße (heute Bergstaffelstraße). Im November 1943 wurde sie bei einem Bombenangriff zerstört.
Nach dem Krieg suchte man schnell nach einem Bauplatz für eine neue größere Kirche. Durch den Zuzug war die Gemeinde stark angewachsen. Viele Gläubige halfen ehrenamtlich mit, verbaut wurden - wie damals üblich - Trümmersteine und Cannstatter Travertin. Am 4. März 1951 wurde die heutige Kirche St. Franziskus geweiht, wenig später der Turm fertiggestellt. 1958 wurde die Orgel geweiht, ein Jahr später die Glocken. „Sobald sich die Gemeinde etwas leisten konnte, wurde in die Kirche investiert“, erinnert sich Andrea Pachner vom Kirchengemeinderat an Erzählungen älterer Gemeindemitglieder. Zuletzt wurde die Kirche in den Jahren 2022 bis 2024 saniert: Auf dem Dach ist seitdem eine Solaranlage. Zudem wurde die Heizanlage auf eine Wärmepumpe umgestellt.
Alte Chronik ausgewertet
Wer noch mehr über die Geschichte des Gotteshauses erfahren will, kann dies online nachlesen. Denn Andreas Keller hat anlässlich des Jubiläums die handgeschriebene „Chronik der kath. Stadtpfarrgemeinde Stuttgart-Obertürkheim 1926-1979“ ausgewertet. Im April zeigte er im Gemeindezentrum einen Ausschnitt aus seiner Arbeit, die Recherchen wurden online veröffentlicht.
Aktuell leben in Obertürkheim rund 1500 Katholikinnen und Katholiken und es gibt Angebote für alle Altersgruppen: von der Kita Franz von Assisi über die Pfadfinder und die Ministranten bis zum Familienkreis. Die Senioren treffen sich zum Mittwochstreff, ebenfalls mittwochs trifft sich die „,ChorConnection“ im Stadtteil- und Familienzentrum Heidelbeere und freitags feiern katholische und evangelische Christen Gottesdienste im Haus am Weinberg.
Kirchengemeinden im Wandel
Seit 2001 ist die Gemeinde Teil der Gesamtkirchengemeinde St. Urban, zu der auch St. Markus in Hedelfingen, St. Christophorus in Wangen und St. Johannes in Untertürkheim gehören. Wie viele Gemeinden verzeichnet auch St. Urban rückläufige Mitgliederzahlen, steigende Kosten und sinkende Finanzmittel. Der Entwicklungsprozess „Kirche der Zukunft“ der Diözese war deshalb Thema bei der Gemeindeversammlung im April. „Aktuell geht es vor allem um die Zusammenlegung der Verwaltung“, erklärt Pachner.
Umbrüche gibt es im Pfarrbüro. Dort ist im April Petra Passow nach mehr als 23 Jahren in den Ruhestand verabschiedet worden. Zwei Pfarrer hat sie in der Zeit begleitet, viele Anmeldungen für Taufen oder Firmungen entgegengenommen, sich um Aushänge und den Gemeindebrief gekümmert. Wer ein Anliegen hat, wendet sich nun ans Pfarramt St. Johannes in Untertürkheim.
Doch zuerst einmal wird gefeiert: „Zum Jubiläum wurde ein buntes Programm erstellt, an dem sich viele unterschiedliche Gruppen und Personen beteiligen und mit dem wir hoffentlich viele Menschen ansprechen können, mit uns mitzufeiern“, sagt Pfarrer Andreas Gälle.
www.kirchen-online.com , www.sturban.de
Von Martina Fürstenberger
Termine im Jubiläumsjahr
Samstag, 13. Juni, 14 Uhr: Festgottesdienst mit anschließendem Fest rund ums Gemeindezentrum. Musikalische Gestaltung: Sängervereinigung Eintracht
Freitag, 10. Juli, 18 Uhr: Mitmachkonzert „Zauberflöte“ mit dem Sylvester-Orchester
Samstag, 11. Juli, 17 Uhr: Konzert der Andreaskantorei „Zwischen Fülle und Leere“
Sonntag, 4. Oktober, 10.45 Uhr: Patrozinium mit anschließendem Gemeindefest mit den Pfadfindern. Musikalische Gestaltung: Andreaskantorei
Samstag, 10. Oktober, 18 Uhr: Konzert „The prayer of St. Francis“, gestaltet von der ChorConnection