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Renate Brosch, Untertürkheims: Kultur bietet viele Möglichkeiten

Musikerin, Chorleiterin und kreative Impulsgeberin: Renate Brosch engagiert sich vielfältig in der Kulturszene des Stadtbezirks- und kümmert sich ehrenamtlich um die Finanzen des IHGV.

Renate Brosch, Untertürkheims: Kultur bietet viele Möglichkeiten

Renate Brosch fängt früh an zu singen und Klavier zu spielen. Später gab sie Konzerte im Inund Ausland.Fotos: Jürgen Brand

Renate Brosch braucht keine lange Aufwärm- oder Einsing-Zeit. Sie setzt sich ans Klavier von Steinway & Sons, legt sich die Notenblätter zurecht, fängt sofort an zu spielen und zu singen. Die Noten braucht sie dabei nicht unbedingt, sie hat das Werk selbst komponiert und getextet. Die 67-Jährige bezeichnet sich manchmal selbst lachend als „Gesamtkunstwerk“, ist sprachbegabt, Sängerin, Gesangslehrerin, Chorleiterin, Klavierspielerin, mit ihrem Mann Karl-Friedrich Schäfer als Liedduo vielfältig unterwegs, mit einem Zweitwohnsitz in Italien interkulturell engagiert, weil auch dort in der Kulturszene aktiv. Sie ist trotzdem durch und durch bodenständig, wesentlicher Teil der Kultur und der Kulturszene in Untertürkheim und drumherum, kauft leidenschaftlich in den Geschäften vor Ort ein und kümmert sich als Kassiererin um die Finanzen des Industrie-, Handels- und Gewerbevereins Untertürkheim (IHGV).

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Heute ist die 67-Jährige in der Untertürkheimer Kulturszene und im IHGV aktiv.Fotos: Jürgen Brand
Heute ist die 67-Jährige in der Untertürkheimer Kulturszene und im IHGV aktiv.Fotos: Jürgen Brand

Renate Brosch ist gebürtige Ludwigsburgerin. Ihre Familie war so gar nicht musikalisch, trotzdem fing sie früh zu singen an, lernte Klavier, finanzierte ihre ersten Gesangsstunden mit 16 durch Klavierunterricht und Ferienjobs. Obwohl ihre Eltern nicht so begeistert davon waren, nahm sie ein Studium an der Stuttgarter Musikhochschule auf. Dort lernte sie ihren Mann, den Pianisten Karl-Friedrich Schäfer kennen. Die beiden sind seit 1983 verheiratet, seitdem sind sie auch in Untertürkheim verwurzelt.

Die leidenschaftliche Musikerin singt nicht nur selbst, sondern gibt auch Gesangsunterricht und leitet eine private Gesangsklasse.

Noch während des Studiums bekamen die beiden als Liedduo beim Bundeswettbewerb Gesang in Berlin den „Sonderpreis für die beste Liedinterpretation“. Mit den Jahren wuchs ihr Repertoire vom Barock bis in die Moderne, sie gaben Konzerte im In- und Ausland, egal ob in Prag (1994), in Baku in Aserbaidschan (2001), in Bukarest (2009), in Italien sowieso, um nur einige Stationen zu nennen. In den vergangenen Jahren haben sie ganz neue eigene Programme entwickelt, zum Teil mit eigenen Kompositionen und Texten, manchmal ersetzt Karl-Friedrich Schäfer ein ganzes Orchester, wenn er Opernarien seiner Frau auf dem Akkordeon begleitet. Einige dieser Programme waren auch schon in Untertürkheim zu hören und zu sehen, zum 100. Geburtstag von Georg Kreisler haben sie hier ein ganzes Festival organisiert.

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Die Künstlerin, die auch mit 67 nicht ans Aufhören denkt, ist Stammkundin in vielen Untertürkheimer Geschäften und kam genau dadurch zum Ehrenamt als IHGV-Kassiererin. Augenoptikerin ihres Herzens ist Uta Smolik, die stellvertretende Vorsitzende des IHGV. Und als jemand für die Finanzen gesucht wurde, sprang sie einfach ein.„Ich will immer, dass die Sachen laufen“, sagt sie, und das gilt für ziemlich viele „Sachen“.

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Die leidenschaftliche Musikerin singt nicht nur selbst, sondern gibt auch Gesangsunterricht und leitet eine private Gesangsklasse. Vor zwei Jahren übernahm sie den verwaisten Chor des TGV Rotenberg. Den Turn- und Gesangverein Rotenberge.V. 1899 gibt es seit 126 Jahren und er ist etwas ganz Besonderes: Der Stadtteil Rotenberg hat etwas mehr als 700 Einwohner, der Verein etwas mehr als 600 Mitglieder. Eine ziemlich eingeschworene Gemeinschaft also, mit einer lange gepflegten, wenn auch imaginären Trennlinie zu Untertürkheim.

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„Das Verrückte ist, ich war dort nie“, sagt Renate Brosch. Sie übernahm trotzdem die Leitung des gemischten Pop- und Jazz-Chors des TGV, obwohl sie eigentlich keinen Chormehr leiten wollte. Als Chorleiterin darf sie aber die Halle in Rotenberg auch für eigene Projekte nutzen. Zuletzt war dort oben „Ein Dorf steht Kopf“, eine dramatische Lesung mit Chor, wiederholt ausverkauft, Mitte Mai gab es sogar ein Zusatzkonzert. Das Kulturnetzwerk im Stadtbezirk ist dabei weiter gewachsen: Zum Beispiel hat Ellen Schubert vom Wortkino/Dein Theater aus Stuttgart-Ost/-Mitte dabei gelesen, am Klavier saß der bekannte Musiker Uli Gutscher, der auch an der Musikhochschule Stuttgart studiert hat, mit ermöglicht haben die Aufführungen auch der rege Bürgerverein Untertürkheim und der Kulturhausverein Untertürkheim.

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Die Untertürkheimer Kulturszene birgt nach der fachkundigen Einschätzung von Renate Brosch viel Potenzial.

Gerade im Kulturhausverein engagiert sich Renate Brosch schon lange, organisiert auch im Kulturtreff des Vereins im Julius-Lusser-Haus regelmäßig Aufführungen. Die nächste Veranstaltung des Vereins „Musik, Musik, Musik... Am Weinberg“ am 28. Juni findet sogar in ihrem Haus an der Kappelbergstraße statt. Dabei wird das ganze Haus vom Keller bis zum Garten zur Kulturbühne. In den Räumen treten ein Liedduo, ein Klaviertrio, ein Vokalquartett, ein schwäbischer Chansonnier und etwa auch Susanne Schempp (bekannt unter anderem von „Honey Pie“) auf (Infos unter www.kulturhausverein.de ).

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Die Untertürkheimer Kulturszene birgt nach der fachkundigen Einschätzung von Renate Brosch viel Potenzial. Es gebe viele ortsansässige, professionelle Musiker, ein breites Gesangsangebot vom Oratorien bis zum Gospelchor, eine Schlagzeugschule (drum department), um nur einige zu nennen. Gleichzeitig spricht sie aber auch über die ihrer Meinung nach nicht ganz so große Wertschätzung und noch geringere Förderung der Kulturszene im Stadtbezirk, obwohl der Bezirksbeirat tut, was er kann. Bei Bürgerversammlungen gehe es vor allem um Verkehr und Müll, Kulturthemen würden dabei völlig in den Hintergrund gerückt. Dabei biete gerade die Kultur so viele Möglichkeiten, auch wenn es darum gehe, den Ort attraktiv zu halten und noch attraktiver zu machen. Leerstehende Ladengeschäfte oder Gebäude, die es auch im Untertürkheimer Ortskern gebe, wären geradezu ideal für eine künstlerische Zwischennutzung. Renate Brosch:„Ich habe noch viele Ideen.“