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Die Gärten im Klima-Stresstest

Deutschlands Sommer werden heißer und extremer. Was das für das heimische Grün bedeutet und was getan werden kann.

Im Idealfall kommt der Garten nicht nur mit Hitze, sondern auch mit Starkregenfällen gut zurecht. Wichtig hierfür sind zum Beispiel Versickerungsflächen wie Beete und Rasen oder auch Wege mit breiten Fugen oder wasserdurchlässigen Pflastersteinen. Foto: BGL
Im Idealfall kommt der Garten nicht nur mit Hitze, sondern auch mit Starkregenfällen gut zurecht. Wichtig hierfür sind zum Beispiel Versickerungsflächen wie Beete und Rasen oder auch Wege mit breiten Fugen oder wasserdurchlässigen Pflastersteinen. Foto: BGL

Die Sommer in Deutschland haben sich verändert - und zwar messbar. Blicken wir auf die vergangenen fünf Jahre zurück. 2021 lag die durchschnittliche Temperatur nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts (DWD) bereits bei rund 17,9 Grad und damit deutlich über dem langjährigen Mittel. Es folgten Jahre, die sich weiter nach oben schoben: 2022 und 2023 gehörten zu den wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen, 2024 wurden 18,5 Grad ermittelt.

Und auch 2025 folgte diesem Trend, 18,3 Grad im Mittel. Was früher als Ausnahme galt, wird zur Regel: mehr heiße Tage über 30 Grad, längere Trockenphasen und zugleich immer wieder Starkregen. Selbst einzelne Sommer zeigen Extreme in sich: 2021 etwa war ungewöhnlich nass, während andere Jahre von Hitze geprägt waren.

Kein abstrakter Trend - Auswirkungen vor der Haustür

Diese Entwicklung ist kein abstrakter Trend. Sie zeigt sich direkt vor der Haustür - im eigenen Garten. Denn der Klimawandel ist für unsere Gärten eine große Herausforderung. Trockene, heiße Sommer und lichtarme, feuchte Wintermonate werden immer häufiger. Dazu kommt Starkregen. Die Pflanzen müssen echte Extreme überstehen. Wie kann man ihnen dabei helfen?

Zwei wichtige Grundregeln nennen Experten dabei: bei Hitze nicht ständig gießen und nicht gegen jeden Schädling gleich zu Pflanzenschutzmitteln greifen. Das hilft aber nur begrenzt. Wer seinen Garten wirklich zukunftsfähig machen will, sollte auch über eine angepasste Zusammenstellung der Pflanzen nachdenken. „Wir werden uns an andere Bilder von Gärten gewöhnen müssen“, sagt Pia Präger. Sie ist Gärtnermeisterin und stellvertretende Vorsitzende im Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL). Für sie lautet der Schlüssel zum Glück: Vielfalt.

Ein reines Rosenbeet ohne begleitende Stauden und Sommerblumen, der Rasen oder klassische Formschnitthecken stellen im Prinzip Monokulturen dar. Ein neuer Schädling wie der Buchsbaumzünsler, ein Gewittersturm oder Dürre schädigen Pflanzen eines Typs oft gleichermaßen. Besser: Hecken, die sich aus verschiedenen Gehölzen zusammensetzen, ein Kräuterrasen und bunt gemischte Blumenbeete sind Alternativen mit viel mehr Resilienz.

Dabei sollte man sich allerdings genau mit den Ansprüchen der Pflanzen beschäftigen. Licht, Boden und Wind sind die drei Hauptaspekte, mit denen die Pflanzen klarkommen müssen“, erklärt die Gartenarchitektin Brigitte Röde. Der Lavendel zum Beispiel hat im Halbschatten keine Chance.

Röde setzt auf heimische Pflanzen. „Dabei können züchterisch beeinflusste Formen gewählt werden, aber die Erfahrung der natürlichen Pflanzengesellschaften führt zu einem besseren Erfolg und damit auch zu einem pflegeleichteren Garten“, sagt die Gartenarchitektin.

Pia Präger rät davon ab, den Standort für bestimmte Pflanzen anzupassen. „Ökologisch und auch ökonomisch ist es suboptimal einen Boden auszutauschen, damit eine bestimmte Pflanze wächst“, sagt sie. Die Bepflanzung sollte also angepasst werden, nicht die Begebenheiten.

Der robuste Garten braucht auch Tiere

Darüber hinaus besteht Vielfalt, die dem Garten zu mehr Resilienz verhilft, nicht nur aus Pflanzen. „Man muss auch, Tiere pflanzen“, sagt Pia Präger. Das geschieht zum einen durch ein reichhaltiges Pflanzenangebot, zum anderen aber auch durch Rückzugsmöglichkeiten. Ideal ist es, wenn Lebensräume wie Totholz, Mauerspalten und wechselfeuchte Flächen im Garten vorhanden sind. So fühlen sich auch Insekten wohl Auch im Boden sind Tiere angesiedelt. Sie sind ein wichtiger Bestandteil für das sogenannte Bodenleben. „Das ist im Garten ein wunder Punkt“, sagt Pia Präger, denn man übersieht das Bodenleben nur allzu schnell. Ist das Bodenleben geschädigt, oder fehlt sogar, leidet auch das gesunde Pflanzenwachstum. Das Bodenleben sorgt dafür, dass eine gute Humusstruktur aufgebaut wird. Der Luftaustausch und das Wasserhaltevermögen des Bodens werden positiv beeinflusst und den Pflanzen werden Nährstoffe bereitgestellt.

Damit kann der Gartenboden deutlich besser auf Extreme in der Wasserversorgung reagieren. Die Humusstruktur des Bodens wird zum Beispiel dadurch gefördert, dass man trockenes Laub auf den Beeten liegen lässt und die direkte Sonneneinstrahlung durch einen dichten Bewuchs vermindert wird.

Wasser bloß nicht entrinnen lassen

In Bezug auf das Wassermanagement sollte man die Beete wenn möglich etwas höher als den Rasen anlegen und die Rasenfläche mit einem Höhenprofil anlegen. So wird Wasser im Garten gesammelt, statt abzufließen. Schattige Bereiche helfen zusätzlich, den Wasserverbrauch des Gartens zu senken, und das Mikroklima des Gartens durch mehr Luftfeuchtigkeit zu verbessern.

Fest steht: Die Steigerung der Resilienz eines Gartens erzielt man mit zahlreichen kleinen Maßnahmen und Veränderungen. „Abstriche machen, neues Ausprobieren und flexibel bleiben“ lautet dabei das Motto von Pia Präger.

„Es muss nicht alles weg und neu gemacht werden, sondern man muss lernen zu sehen, was geändert werden muss und was sich bewährt hat“, fasst Röde zusammen. Und woher weiß man, dass es geklappt hat? Ganz einfach: „Nach einem schweren Gewitter oder eine Dürrephase schüttelt sich der Garten wie ein Hund, der aus dem Wasser kommt, und blüht schon nach wenigen Tagen wieder auf.“ dpa/rab