Balkone und Terrassen sind längst mehr als reine Abstellflächen für Grill und Klappstühle. Sie werden zu Outdoor-Wohnzimmern, Rückzugsorten und kleinen Naturrefugien - selbst dann, wenn nur wenige Quadratmeter zur Verfügung stehen. Wichtig ist eine clevere Gestaltung, die den vorhandenen Raum optimal nutzt. "Kleine Außenflächen profitieren von klarer Gestaltung und vertikaler Nutzung“, erläutert Dr. Michael Henze vom Referat Landschaft und Umwelt beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. "Entscheidend ist ein standortgerechtes Konzept, das Licht, Wind und Wasser berücksichtigt. Hier kann der Garten- und Landschaftsbau durch durchdachte Planung und präzise Ausführung die Qualität deutlich steigern.“
Modulare Systeme
Eine klare Struktur, abgestimmte Materialien und eine bewusste Auswahl an Pflanzen schaffen Ruhe und Ordnung, selbst wenn der Platz begrenzt ist. "Praktische Gefäße und modulare Systeme sind zentral für das Gärtnern auf engem Raum, da sie Flexibilität, Mobilität und optimale Raumnutzung ermöglichen“, betont der Experte. "Aktuell gewinnen leichte, recycelte Materialien, integrierte Bewässerungssysteme und kombinierbare Pflanzmodule an Bedeutung." Leichte Töpfe aus recyceltem Kunststoff, stapelbare Pflanzboxen oder mobile Hochbeete erleichtern nicht nur die Pflege, sondern ermöglichen saisonale Umgestaltungen und kreative Arrangements. Besonders wirkungsvoll ist die Nutzung der Höhe.
Vertikales Gärtnern
Vertikales Gärtnern verwandelt kahle Wände in lebendige Grünflächen und schafft zusätzliche Pflanzmöglichkeiten, ohne die Grundfläche zu beeinträchtigen. "In der Praxis haben sich vor allem modulare Wandbegrünungssysteme, Rankgerüste aus Edelstahl oder Holz sowie Seil- und Spaliersysteme bewährt“, weiß Michael Henze. "Sie sind langlebig, flexibel einsetzbar und lassen sich gut in unterschiedliche architektonische Situationen integrieren." Solche Systeme eignen sich sowohl für üppige Kletterpflanzen als auch für Kräuter oder kleine Blühpflanzen, die in Taschen, Modulen oder schmalen Gefäßen wachsen. Gleichzeitig dienen sie als Sichtschutz, verbessern das Mikroklima und bringen Struktur in die Gestaltung.
Robuste Arten
Zur Herausforderung kann die Lage von Balkonen oder Terrassen werden, wenn sie schattig oder windig sind. Doch auch schwierige Orte lassen sich ganz einfach mit passenden Pflanzen begrünen. "Für kleine, exponierte Standorte eignen sich vor allem robuste, schattenverträgliche und windfeste Arten wie Farne, Seggen oder Kletterhortensien“, betont Michael Henze. "Wichtig ist eine standortangepasste Pflanzenauswahl - hier unterstützt der Garten- und Landschaftsbau mit Pflanzenkenntnis und langfristig funktionierenden Pflanzkonzepten." Funkien, Purpurglöckchen oder Waldgräser gedeihen im Schatten, während Lavendel, Fetthenne oder Ziergräser gut mit Wind zurechtkommen.
Wer den Süden liebt, kann auf sonnigen Balkonen mediterrane Pflanzen platzieren, sollte jedoch auf frostfreie Winterquartiere achten. Lavendel, Rosmarin und Thymian bringen Duft und Farbe, während Oleander, Olive oder Lorbeer echtes Mittelmeerflair erzeugen. Zitruspflanzen wie Zitronen oder Kumquats setzen mit glänzenden Blättern und aromatischen Früchten ganz besondere Akzente.
Kombiniert mit Terrakotta-Gefäßen, Mosaiktischen, warmen Farben und Naturmaterialien entsteht ein Ambiente, das an laue Sommerabende erinnert.
Auch Sukkulenten und Kakteen passen hervorragend ins mediterrane Bild und sind ideal für heiße, trockene Standorte. Und selbst auf kleinstem Raum genügt ein Olivenbäumchen in einem rustikalen Topf, ergänzt durch Kräuter, um südliches Flair zu erzeugen.
Farbenfrohe Akzente
Für farbenfrohe Akzente sorgen robuste Blühpflanzen, die sich gut für Töpfe eignen. Kalanchoë etwa, lange als Zimmerpflanze bekannt, erobern zunehmend Balkone und Terrassen. Sie blühen in kräftigen Farben, sind pflegeleicht und vertragen sowohl Sonne als auch Halbschatten. Da sie nur wenig Wasser benötigen und kompakt wachsen, eignen sie sich besonders für Menschen, die eine unkomplizierte, aber wirkungsvolle Bepflanzung wünschen.
Kompakte Sorten von Hortensien beeindrucken hingegen mit großen Blütenbällen und einem faszinierenden Farbwechsel im Laufe der Saison. Wichtig ist eine gleichmäßige Wasserversorgung, denn Hortensien zählen zu den durstigen Pflanzen. Calla bringt mit ihren eleganten Hochblättern exotisches Flair, benötigt jedoch ebenfalls ausreichend Feuchtigkeit und einen hellen, aber nicht zu heißen Standort.
Starke Wirkung
Ihre außergewöhnliche Form macht sie zu einer idealen Solitärpflanze, die selbst in schlichten Gefäßen eine starke Wirkung entfaltet. Mit der richtigen Mischung aus robusten Arten, gezielt gesetzten Akzenten und einer durchdachten Gestaltung werden Balkon und Terrasse so zu wunderbaren Orten, die das Leben im Freien bereichern und zum Verweilen einladen.
Von Brigitte Bonder