Der heimische Garten ist nicht nur eine grüne Oase für uns Menschen, sondern auch ein wertvoller Lebensraum für heimische Wildtiere - von ganz klein bis etwas größer. Früher galten akkurat gepflegte Rasenflächen nach englischem Vorbild und ordentlich gestutzte Hecken als Idealbild, heute setzen viele Gartenbesitzer bewusst auf naturnahe und vielfältige Gestaltung. Und das völlig zurecht: Ein solcher Garten lockt nicht nur Vögel und Insekten an, sondern bietet auch Eidechsen, Igeln und anderen Arten einen Lebensraum. Dabei ist es nicht schwer, einen Garten tierfreundlich zu gestalten - der Schlüssel liegt in der Vielfalt.
Die Idee eines natürlichen Gartens ist keineswegs neu, erlebt aber eine echte Renaissance. Immer mehr Menschen erkennen, wie wichtig der Schutz der Artenvielfalt ist, nicht zuletzt angesichts des dramatischen Rückgangs vieler Wildtierarten. Die Verantwortung, etwas für den Artenschutz zu tun, endet nicht an der Gartengrenze: Der eigene Garten bietet eine gute Gelegenheit, aktiv zu werden und Wildtieren zu helfen.
Kleine Maßnahmengroße Wirkung
Dabei reichen oft schon kleine Maßnahmen aus, um große Wirkung zu erzielen. Martin Klatt, Referent für Arten- und Biotopschutz beim NABU Baden-Württemberg, erklärt, welche Wildtiere besonders häufig den heimischen Garten besuchen: „Es gibt unter den verschiedenen Tierartengruppen typische Arten, die häufig in Gärten vorkommen.“ Zu diesen regelmäßigen Gartenbewohnern gehören bekannte Vogelarten wie Amsel, Kohl- und Blaumeise, Rotkehlchen, Grün- und Buchfink sowie der Haussperling. „Unter den Bienen sind Erdhummel, Ackerhummel oder die Gehörnte Mauerbiene häufige Gartengäste.“ Schmetterlinge wie Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Zitronenfalter sorgen zusätzlich für bunte Farbtupfer. Doch auch andere Tiere wie Igel, Fledermäuse, Eidechsen, Käfer und Schwebfliegen fühlen sich in vielfältig gestalteten Gärten wohl.
Um Wildtiere zu unterstützen, sollte der Garten abwechslungsreich gestaltet sein. „Der Schlüssel zum Erfolg ist es, den Ansprüchen der Tiere gerecht zu werden“, betont der Experte. „Für die Blütenbesucher bedeutet dies, ihnen eine breite Auswahl an heimischen Wildpflanzen anzubieten.“ Für Libellen und Amphibien ist ein kleiner Gartenteich unverzichtbar, da ihre Larven unter Wasser leben. Blindschleichen und Igel benötigen Schutzorte wie Totholzhaufen, die ihnen zugleich Nahrung bieten. Um Wildtiere anzulocken, empfiehlt Martin Klatt das sogenannte WEB-Konzept, welches die Bedürfnisse Wohnen, Ernähren und Baden berücksichtigt. Die Komponenten Wohnen und Ernähren sind bestens über heimische Pflanzen abzudecken. „Heimische Beerensträucher liefern Blüten für Insekten und im Herbst Beeren, die vielen Vögeln zugutekommen.“
Besonders empfehlenswert sind Schwarzer Holunder, Eberesche, Heckenrose, Weißdorn oder Schlehe, die als Nahrungsquelle, aber auch als geschützter Brutplatz für Amsel oder Grünfink dienen. Darüber hinaus rät der Experte zu einer abwechslungsreichen Wiese oder einem Staudensaum aus Wildpflanzen, die Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten für zahlreiche Arten bieten und ein attraktives Gegengewicht zu monotonem Rasen darstellen. Entscheidend sei hierbei, möglichst viele verschiedene heimische Pflanzenarten anzubieten, um unterschiedliche Bedürfnisse abzudecken.
Gezielte Maßnahmen helfen zudem gefährdeten Wildtieren. Dazu zählt zum Beispiel ein Angebot an alten Bäumen, in denen sich Höhlen ausgebildet haben. Sie dienen als Fortpflanzungsplatz für Vögel, Fledermäuse und auch für die geschützten Hornissen. Wo der Platz dafür fehlt, können Nistkästen gebaut und aufgehängt werden. Weitere hilfreiche Elemente sind Trockenmauern, Totholzhaufen und wilde Ecken, die natürliche Rückzugsorte bieten.
Die Integration von Zuchttieren wie Hühnern oder Fischen im Garten erfordert besondere Überlegungen. „Bei Fischen gilt der Grundsatz, dass diese in einem Gartenteich eher schwierige Einwohner sind“, weiß Martin Klatt. „Denn bei deren Anwesenheit haben Amphibien, Libellen und andere Wasserinsekten kaum eine Überlebenschance.“ Hühner hingegen können harmonisch eingebunden werden, wenn deren Bewegungsraum klar abgegrenzt ist.„Dabei ist zu bedenken, dass Hühner naturgemäß im Boden nach Nahrung scharren und dadurch für die Vegetation kaum eine Entwicklungschance bleibt“, betont der NABU-Experte.
„Hier lässt sich die angefragte Harmonie am besten durch einen kleinen Zaun um den Hühnerauslauf erreichen.“ Mit so einer bewussten und klar abgegrenzten Gestaltung finden sowohl Wildtiere als auch Zuchttiere ihren optimalen Platz. Denn ein naturnaher Garten schafft nicht nur Lebensraum für Wildtiere, sondern auch eine lebendige Atmosphäre, die Menschen gleichermaßen genießen und die einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität leistet.
Von Brigitte Bonder