Das über die Jahre mühevoll angesparte Vermögen auch im Ruhestand noch anlegen? Das ergibt Sinn. Schließlich steigt die Lebenserwartung und die meisten wollen auch im hohen Alter finanziell gut aufgestellt sein, um ihren gewohnten Lebensstil aufrechterhalten zu können. Doch wie geht man Investments in diesem Alter clever an? „Wichtig ist vor allem, einen Finanzplan zu haben“, sagt Carmen Bandt von der Kidron Vermögensverwaltung. Darin ist festzuhalten, wie viel Geld man für die eigene Lebenshaltung benötigt und wie viel davon man aus festen regelmäßigen Zahlungen wie etwa Renten oder Mieteinnahmen abdecken kann. So lässt sich die Deckungslücke berechnen. Dann kann man klären, wie diese Lücke aus Geldanlagen aufgefüllt werden kann. Mit Hilfe des Finanzplans wird klar, welche Teile des Vermögens längerfristig noch nicht benötigt werden. „Diese Geldteile können dann in schwankungsintensivere Anlagen mit einer deutlich höheren Renditeerwartung angelegt werden“, erklärt Finanzfachfrau Bandt. Fehlt ein Finanzplan, bleiben der Anleger oder die Anlegerin, meist aus Angst, das Geld zu benötigen, in kurzfristigen Anlagen stecken. Wichtig zu wissen: „Beim Aufstellen eines Finanzplans wird häufig die Inflation vergessen“, sagt Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Düsseldorf. Man müsse sie allerdings zwingend berücksichtigen, da sie die Kaufkraft des Geldes im Laufe der Zeit verringert. Geschickte Investitionen helfen, die Kaufkraft des Vermögens zu erhalten. Doch das ist längst nicht der einzige Fehler, den Ruheständler beim Investieren begehen können. Diese sieben weiteren Dinge sollten Menschen, die kurz vor der Rente stehen, unbedingt vermeiden:
Fehler 1: Lebenshaltungskosten unrealistisch kalkulieren
Reisen, Hobbys, Instandhaltung: „Viele unterschätzen ihre Ausgaben im Alter“, sagt Roland Schmack von der Vermögensverwaltung Meine Werte. Die ersten Ruhestandsjahre, in denen man häufig noch deutlich aktiver ist, seien meist teurer als gedacht. Ein Sicherheitspuffer bei der Finanzplanung sei daher Pflicht, so Schmack. Sein Tipp: Bereits vor Rentenbeginn ein Haushaltsbuch führen. So kann man den benötigten Betrag im Ruhestand realistisch kalkulieren.
Fehler 2: Keinen strukturierten Entnahmeplan haben
Viele nutzen das oft über Jahrzehnte angesparte Vermögen, um neben der gesetzlichen Rente und gegebenenfalls anderen Renteneinkünften ein regelmäßiges Zusatzeinkommen zu haben. Dafür ist ein strukturierter Entnahmeplan wichtig – den jedoch manche nicht haben. „Eine Regel kann beispielsweise sein, pro Jahr drei bis vier Prozent vom Angesparten zu nehmen“, sagt Hentschel. Um Langlebigkeitsrisiken abzufedern, sollte man bis zum 95. oder 100. Lebensjahr planen. „Ohne ein klar definiertes Entnahmekonzept besteht das Risiko, entweder zu viel Kapital zu verbrauchen oder unnötig restriktiv zu leben“, sagt Tobias Zauner von der Vermögensverwaltung Das Wertehaus.
Fehler 3: Zu konservative Anlagestrategie
Nur auf ein Tagesgeldkonto und Bargeld zu setzen, ist aus Sicht von Vermögensverwalter Schmack keine gute Idee. Denn so verliert man inflationsbedingt schleichend Vermögen. Auch im Ruhestand gehört ein moderater Aktienanteil für Kaufkrafterhalt und Wachstum ins Portfolio, so Schmack. Das ließe sich etwa mit breit gestreuten Aktienfonds oder ETFs realisieren. Anlegerinnen und Anleger könnten sich so die notwendige Rendite sichern, um das Kapital langfristig zu erhalten.
Fehler 4: Schulden mit in den Ruhestand nehmen
„Schulden sollten möglichst zu Rentenbeginn getilgt sein“, rät Verbraucherschützer Hentschel. Allerdings kommt es auch auf den Einzelfall an. „Wenn es in den Altersvorsorgeplan passt, müssen Schulden kein Fehler sein“, sagt Vermögensverwalterin Bandt. Wer beispielsweise ohnehin vorhat, eine Immobilie in ein paar Jahren zu verkaufen, muss diese nicht komplett abbezahlt haben – man kalkuliere dann eben einfach mit dem Nettoverkaufserlös.
Fehler 5: Kosten für mögliche Pflege außer Acht lassen
Die eigene Pflege stellt eines der größten finanziellen Risiken fürs Alter dar.„Ohne separate Vorsorge oder ausreichenden Kapitalpuffer kann dies die gesamte Planung destabilisieren“, sagt Vermögensverwalter Tobias Zauner. Oliver Jungmann von der Hoppe Vermögensbetreuung veranschaulicht das an einem konkreten Beispiel: Geht man von Kosten für ein Pflegeheim von monatlich 4000 Euro aus, sind nach Abzug des Pflegegeldes in Höhe von 1725 Euro monatlich noch 2225 Euro aus eigenen Mitteln aufzubringen. Diese Summe kann häufig nicht aus der Altersrente aufgebracht werden, sodass dann das Vermögen dafür genutzt werden muss. „Geht man von der durchschnittlichen Dauer eines Pflegefalls von 8,2 Jahren aus, müssten ungefähr 220 000 Euro aus eigener Rente und eigenem Vermögen eingesetzt werden“, rechnet Jungmann vor. Und diese Zahl beinhalte noch keine Preissteigerungen bei den Pflegekosten.
Fehler 6: Steuerliche Fehlplanung
Viele glauben, dass sie in der Rentenphase so gut wie keine Steuern mehr zahlen. Doch das kann ein Trugschluss sein, sobald eine vermietete Immobilie oder Kapitalvermögen vorhanden ist. „Man sollte daher bei der Kapitalanlage nicht ohne Berücksichtigung der Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent kalkulieren“, rät Jürgen Münch von der Fiduka-Depotverwaltung. Denn je nach persönlicher Situation könnten die Kapitalerträge auch über dem Steuerfreibetrag liegen. „In jedem Fall sollte man prüfen, inwieweit man die abgeführte Abgeltungsteuer über die Steuererklärung zurückholen kann“, empfiehlt Münch.
Fehler 7: Emotional bei Kursschwankungen reagieren
„Im Ruhestand wirken Kursschwankungen oft bedrohlicher“, sagt Roland Schmack. Aber wer in turbulenten Börsenphasen panisch verkauft, muss Verluste hinnehmen - und gefährdet den langfristigen Plan. Hierbei ist laut Schmack der Zeitpunkt der Kursverluste entscheidend. Erleide der Markt direkt zum Renteneintritt einen massiven Einbruch, während die Person gleichzeitig Geld entnimmt, schrumpft das Kapital so stark, dass es sich selbst bei einer späteren Markterholung oft nicht mehr regenerieren kann. Schmack rät daher, die Lebenshaltungskosten für die ersten zwei bis drei Jahre im Ruhestand liquide zu halten - und zwar als Tagesgeld oder über kurzlaufende Anleihen. „So müssen Sie in einer Schwächephase keine Aktienanteile zu Tiefstpreisen verkaufen“, erläutert Schmack. Auch Vermögensverwalter Tobias Zauner hält„Panikverkäufe in Krisen oder abrupte Strategiewechsel“ für die größten Vermögensvernichter im Ruhestand.
Von Sabine Meuter