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Blick in die erste Liga: Auf die Spitzenteams warten anspruchsvolle Aufgaben

Blick in die erste Liga: Der VfB reist am Sonntag zum Südschlager nach München. Leverkusen trifft auf Bayern-Bezwinger Eintracht Frankfurt - und der SC Freiburg empfängt die kriselnden Kölner.

Blick in die erste Liga: Auf die Spitzenteams warten anspruchsvolle Aufgaben

Der VfB reist in die Allianz Arena - dort wartet Harry Kane auf die Schwaben. Foto: Daniel Löb/dpa

Stell dir vor es ist Fußball und keiner geht hin: Ganz so schlimm ist es zwar nicht bei der TSG Hoffenheim, doch das Spiel gegen den VfL Bochum wollten nur 16 023 Zuschauer sehen. Fast jeder zweite Platz blieb leer, obwohl die TSG sich auf Tabellenplatz sechs schoss. In keinem Stadion ist die Auslastung so gering, wie in dem an der Dietmar-Hopp-Straße. Nun gibt es gewiss gemütlichere Arten, einen Dezemberabend zu verbringen, als sich Hoffenheim gegen Bochum anzuschauen. Bei diesen Zahlen dürfen sich die Hoffenheimer aber auch nicht über den ewigen Vorwurf beschweren, ein durch fremdes Geld deutlich zu groß geratener Dorfclub zu sein. 

Da dürfte es für die TSG-Profis fast ein angenehmeres Gefühl sein, in einer gut gefüllten Arena auswärts zu spielen. Diesmal müssen sie bei RB Leipzig antreten müssen, die zuletzt den BVB besiegt haben. Auch eher licht sind die Plätze beim VfL Wolfsburg besetzt, der diesmal aber auch nicht vor ungefüllten Rängen, sondern bei Darmstadt 98 antreten muss. Ein Duell zweier kriselnder Clubs – die Lilien sind tief im Tabellenkeller, die Wölfe weit weg von internationalen Plätzen, auf denen sie sich nach ihrem Selbstverständnis einordnen. 

Bundesligatopspiele sind oft eine fade Angelegenheit, doch das Spitzenduell zwischen dem VfB Stuttgart gegen Leverkusen war eine Partie voller mitreißendem Fußball, Das 1:1 war ein fantastisches Duell voll Tempo, Finesse, Klarheit, vieler Torgelegenheiten und schön heraus gespielter Treffer. Wie es eben aussieht, wenn Xabi Alonso und Sebastian Hoeneß an der Linie stehen, die derzeit wohl wirkungsvollsten Trainer der Liga. Die gute Nachricht für alle Freunde des schönen Spiels: Nur Stunden nach Abpfiff wurden beide Teams für das Viertelfinale des DFB-Pokals zusammengelost. Auf Stuttgarter Seite hätte man gern wieder daheim gespielt. Auf die beiden Spitzenteams warten an diesem Wochenende erneut anspruchsvolle Aufgaben: Der VfB reist am Sonntag zum Südschlager nach München. Und Leverkusen trifft auf Bayern-Bezwinger Eintracht Frankfurt.

Die noch immer ungeschlagenen Leverkusener wären auch nach dem Spieltag noch Spitzenreiter – und das ist kein Zufall. Denn selbst, wenn es mal nicht so läuft wie in der ersten Hälfte in Stuttgart, scheint der Coach die richtige Ansprache und auch die taktischen Mittel zu finden, um das Spiel wieder auf seine Seite zu ziehen, „Es war eine gute Besprechung in der Halbzeit“, sagte Alonso. Wir wären gerne dabei gewesen. Die Eintracht wiederum hat ihrem Ruf von der launischen Diva vom Main zuletzt alle Ehre gemacht. Erst raus im Pokal gegen Saarbrücken, dann die Gala gegen Bayern. Mal schauen, welches Gesicht die Toppmöller-Truppe in Leverkusen zeigt. In der Champions League haben die Münchner bei ManU gezeigt, dass sie doch verteidigen können. Und dennoch schwebt über den Münchnern vor dem Duell gegen Stuttgart die Frage: War diese erste Saisonniederlage beim 1:5 in Frankfurt ein Ausrutscher – oder steckt mehr dahinter? Einiges spricht für Zweiteres. Es war nicht der erste Totalausfall der Bayern, die Pokalniederlage gegen den Drittligisten Saarbrücken ist noch nicht lange her. 

16 023 Zuschauerinnen und Zuschauer
... waren beim Spiel bei der TSG Hoffenheim gegen den VfL Bochum - damit blieb fast jeder zweite Platz leer.

In der Analyse wurde natürlich eine Tugenddebatte geführt. Als Erklärungsansatz stand sogar im Raum, die Bayern hätten durch das ausgefallene Spiel der Vorwoche zu viel Tagesfreizeit gehabt, was sie irgendwie durcheinandergebracht hätte. Interessant. 

Wer aber sieht, wie die Münchner Defensive vier der fünf Gegentore mit den wildesten Fehlern selbst einleitet, muss zur nahe liegendsten aller Antworten kommen: Die Bayern sind weniger gut, als sie denken. 

Jetzt werden sich diejenigen, die es mit dem VfB halten fragen, ob ihr Team jetzt als Wiedergutmachungs-Gegner herhalten muss. Aber in der momentanen Verfassung muss sich die Hoeneß-Formation vor überhaupt keinen Gegner fürchten. In den vergangenen vier Wochen haben die Stuttgarter im Pokal und in der Liga zwei Mal Borussia Dortmund eher blamiert. Seit Sommer haben sie 13 ihrer 16 Pflichtspiele gewonnen und zeigen einen hochenergetischen attraktiven Offensivfußball, der auch in München gefragt sein wird. Dort haben sie übrigens vor zwei Jahren unter Pellegrino Matarazzo schon mal gewonnen – profitierten aber dabei von der Ibiza-Reise einiger Bayern-Spieler, die schon vorzeitig den Titel auf der Feierinsel begossen hatten. Diesmal ist es ein anderes Duell und könnte den einzigartigen Reifeprozess des VfB abrunden. 

Wieder besser in der Spur ist auch der SC Freiburg, der die kriselnden Kölner empfängt, Borussia Dortmund muss ohne den gesperrten Grätscher Mats Hummels beim FC Augsburg ran, Gladbach trifft auf Werder Bremen. Union Berlin kann doch noch gewinnen. Das 3:1 gegen Gladbach war der erste Sieg seit August. Kein schlechter Einstand für den neuen Trainer Nenad Bjelica, der deutlich aktiveren Fußball spielen lässt als sein Vorgänger. Und selbst die 2:3 Niederlage gegen Real Madrid, bei der man knapp an einer Sensation vorbeigeschrammt ist dürfte man als aufbauend zum Keller-Krimi gegen den VfL Bochum mitnehmen. 

Mal schauen, ob die Heidenheimer endlich mal auswärts wieder punkten können. Es geht zu Mainz 05 und man darf gespannt sein, ob Jan-Niklas Beste wieder zuschlägt. Der Rübezahl der Liga bereitete gegen Darmstadt alle drei Treffer vor. Es war Bestes achter Assist der Saison, fünf Tore hat der Abwehrspieler selbst gemacht. Elke Rutschmann