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Beruf & Weiterbildung

Austausch ist elementar und unersetzbar, so Prof. Dr. Joachim Weber von der DHBW Stuttgart

Für Prof. Dr. Joachim Weber sind Online-Formate eine Ergänzung zur Präsenzlehre. Der Rektor der DHBW Stuttgart über „Erstis“, Duale Partner und den Neubau.

Austausch ist elementar und unersetzbar, so Prof. Dr. Joachim Weber von der DHBW Stuttgart

Der Neubau der Fakultät Technik. Foto: flash.iFFect/Marko Scheerschmidt

Herr Professor Weber, Lockdowns, geschlossene Hörsäle und ausschließlich zu Hause studieren – das soll passé sein. Dennoch hat die Corona-Pandemie vieles verändert. Wie läuft das Studium an der DHBW jetzt ab?Die DHBW Stuttgart ist und bleibt eine Präsenzhochschule, denn der persönliche Austausch zwischen den Lehrenden und unseren rund 8000 Studierenden ist elementar und unersetzbar. Dennoch hat die Corona-Pandemie die Hochschule auch verändert: Die Digitalisierung in Verwaltung und Lehre ist in einem atemberaubenden Tempo umgesetzt worden. Online-Formate gehören nun auch zum Studienalltag, und zwar als Ergänzung an den Stellen, an denen sie sinnvoll sind und die Lehre bereichern. Trotz allem, der Fokus bleibt auf der Präsenzlehre mit dem direkten Austausch zwischen Studierenden, Lehrenden und Dualen Partnern.Die Herausforderungen für Studienanfängerinnen und -anfänger sind groß. Wie können sie gut ins Studium finden?Der Beginn des Studiums ist in vielerlei Hinsicht ein großer Schritt. Oft geht er ja auch mit der ersten eigenen Wohnung und dem Umzug in eine noch unbekannte Stadt einher. Glücklicherweise sind wir an der DHBW Stuttgart gut aufgestellt und können unseren „Erstis“ vielseitige Hilfestellung geben. Die Studienberatung hat zum Beispiel wertvolle Tipps zur Wohnungssuche und kann bei Fragen zur Studienfinanzierung weiterhelfen. Auch bei Lernschwierigkeiten ist die Studienberatung die erste Adresse. Die Studierendenvertretung organisiert jedes Jahr tolle Events, die das Kennenlernen der Stadt und der Kommilitoninnen und Kommilitonen vereinfachen. Und einen großen Vorteil haben Studierende an der DHBW Stuttgart ja ohnehin: Sie lernen in kleinen Kursgruppen von bis zu 30 Studierenden und haben immer feste Ansprechpersonen: Die Studiengangsleitung, die das Studium für die Kursgruppen organisiert und immer für Fragen offen ist.

Es entstehen jedes Jahr neue Studiengänge. Auch die DHBW Stuttgart hat wieder neue Studiengänge etabliert. Welche sind das, was beinhalten sie und wie kamen sie zustande?

Die DHBW Stuttgart pflegt langjährige Kooperationen mit rund 2000 Dualen Partnern, also Unternehmen und sozialen oder gesundheitsnahen Einrichtungen. Durch diese enge Zusammenarbeit können wir agil auf aktuelle Entwicklungen aus Gesellschaft, Wirtschaft und Technik reagieren und diese schnell in unser Studienangebot integrieren. Um ein paar Beispiele zu nennen: Der Studiengang Embedded Systems an der Fakultät Technik reagiert auf aktuelle Herausforderungen aus der Industrie. Als Embedded Systems bezeichnet man Computer, die, oft unsichtbar für die Nutzenden, in technische Kontexte eingebettet sind und dort wichtige Funktionen übernehmen. Sie bilden das Herzstück einer Vielzahl von Produkten und Maschinen, die wir im täglichen Leben nutzen. Absolventinnen und Absolventen mit entsprechenden Kenntnissen sind auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragt.

An der Fakultät Wirtschaft sind indes die Studienangebote BWL-Digital Business Management, BWL-Digital Commerce Management oder der Informatikschwerpunk Data Science entstanden. Sie befassen sich unter anderem mit komplexen Geschäftsprozessen, wie sie zum Beispiel in der Industrie, in Onlineshops und bei Onlinebezahlvorgängen zum Einsatz kommen. Solche Angebote sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und stellen neue Anforderungen an Studierende aus der Betriebswirtschaft. Für 2023 ist der Start des neuen Studiengangs RSW-Wirtschaftsrecht geplant, und parallel arbeiten wir an einem englischsprachigen Online-Bachelor im Bereich Informatik.

Welche Rolle spielen die Dualen Partner aus Industrie, Handel und Institutionen?

Das Erfolgsmodell Duales Studium fußt auf der engen Zusammenarbeit der Hochschule mit den Dualen Partnern. Unsere Studierenden wechseln in einem dreimonatigen Rhythmus zwischen der Theoriephase an der Hochschule und der Praxisphase bei ihrem Dualen Partner. Fünfzig Prozent des Studiums findet also beim Dualen Partner statt. Die Dualen Partner wählen ihre Studierenden selbstständig aus, sie sind Teil der Gremien der DHBW Stuttgart und gestalten das komplett akkreditierte Studienangebot aktiv mit. Ohne Duale Partner gäbe es keine DHBW, sie sind quasi – wie auch die Hochschule selbst – ein unersetzlicher Grundpfeiler des dualen Studiums. Künstliche Intelligenz und deren praktischer Einsatz ist ein großes Forschungsfeld.

Austausch ist elementar und unersetzbar, so Prof. Dr. Joachim Weber von der DHBW Stuttgart -2
Prof. Dr. Joachim Weber. Foto: Martin Stollberg

Wie ist die DHBW Stuttgart da aufgestellt?

An der DHBW Stuttgart wird zu verschiedenen Themen geforscht, Künstliche Intelligenz gehört natürlich auch dazu. Vor wenigen Monaten haben wir das Zentrum für Künstliche Intelligenz, kurz ZfKI, gegründet. Das Zentrum unterstützt die duale Lehre sowie die kooperative Forschung fakultätsübergreifend und interdisziplinär. Wir haben so eine Austauschplattform geschaffen, die es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Unternehmen und Studierenden ermöglicht, ihr Wissen zum Einsatz von modernen KI-Technologien in vielfältige Anwendungen zu transferieren. Derzeit wird im ZfKI vor allem zu den Themen Maschinelles Lernen, Bild- und Mustererkennung, Intelligente Interaktive Systeme und Automatische Theorembeweise geforscht.

Nachhaltigkeit sowie Klima- und Umweltschutz sind die großen Themen der Zeit. Wie und wo werden diese Themen an der DHBW Stuttgart behandelt?

Nachhaltiges Denken und Handeln hat auch an der DHBW Stuttgart oberste Priorität. Alle Hochschulmitglieder, von den Lehrenden über die Verwaltung bis hin zu den Studierenden, sollen an dieser Gemeinschaftsaufgabe mitwirken und ihre Ideen einbringen. An der DHBW Stuttgart entsteht derzeit ein Green Office, das fakultäts- und standortübergreifend Projekte und Initiativen unterstützt, die nachhaltiges Handeln fördern. Und auch in der lehrintegrierten Forschung ist das Thema Nachhaltigkeit allgegenwärtig. So arbeiten Studierende der Fakultät Technik an Mobilitätskonzepten für einen emissionsfreien Campus, und Studierende der Fakultäten Wirtschaft und Technik erforschen die Alltagstauglichkeit von Elektroautos und E-Scootern sowie Möglichkeiten des klima- und ressourcenschonenden Wohnens in direkter Nähe zu unserem Neubau für die Fakultät Technik.

Sie haben den Neubau für die Fakultät Technik angesprochen. Was ist noch besonders an dem Bau, und wann rechnen Sie mit dem Einzug?

Wir freuen uns riesig, dass der Neubau nach einer langen Bauphase nun endlich von uns schrittweise in Betrieb genommen werden kann. Die Labore und Studiengänge ziehen jetzt sukzessive in den Neubau um. Wir rechnen damit, dass der Umzug der gesamten Fakultät im März 2023 vollumfänglich abgeschlossen sein wird. Für die Studierenden bietet das Gebäude neben der besonderen Architektur viele beeindruckende Möglichkeiten, insbesondere im Bereich der lehrintegrierten Forschung. Neben einem großen Bearbeitungszentrum, einem Rollen- und einem Motorenprüfstand verfügt der Neubau zum Beispiel über einen Windkanal, der mit Präzisionsmesstechnik für die Temperatur- und Strömungsmessung ausgestattet ist.

Ein duales Studium verlangt viel Disziplin und Ausdauer. Was bietet die DHBW Stuttgart zum Ausgleich und fürs Wohlbefinden an?

Ein duales Studium an der DHBW Stuttgart ist immer ein Intensivstudium. Die klassischen Semesterferien gibt es bei uns nicht, dafür einen international anerkannten Bachelor mit 210 ECTS-Punkten in nur drei Jahren – Berufserfahrung inklusive. Daher ist es besonders wichtig, dass sich die Studierenden einen Ausgleich schaffen. Die Möglichkeiten sind zum Glück zahlreich. Der Hochschulsport bietet jedes Jahr tolle Kurse an, vom klassischen Breitensport bis hin zu besonderen Schmankerln wie einem Gleitschirmkurs oder Stand-up-Paddling. Wer gerne singt, ist bei Chormäleon, dem Chor der DHBW Stuttgart, willkommen. Außerdem nutzen unsere Studierenden die vielfältigen Möglichkeiten, Auslandserfahrungen zu sammeln und sich interkulturelle Kompetenzen anzueignen, zum Beispiel bei den Kursen des Zentrums für interkulturelle Kompetenz. Und die Studierendenvertretung kennt sicherlich die besten Party-Locations. Die Stadtregion Stuttgart bietet hierzu beste Voraussetzungen. Die Fragen stellte Dagmar Engel-Platz.

Auf einen Blick

Die DHBW Stuttgart:

– Etwa 8000 Studierende inklusive Campus Horb.
– Etwa 2000 Duale Partner (Unternehmen und soziale beziehungsweise gesundheitsnahe Einrichtungen, bei denen die Praxisphasen stattfinden).
– Die Gebäude der DHBW Stuttgart liegen im Herzen der Landeshauptstadt
– Größter von insgesamt neun Standorten der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), die mit rund 35 000 Studierenden die größte Hochschule des Landes ist.
– Außencampus in Horb am Neckar mit rund 800 Studierenden in Technik-Studiengängen.

www.dhbw-stuttgart.de
www.dhbw-stuttgart.de/horb

Theorie & Praxis im dualen Studium:

– Intensivstudium mit 210 ECTS-Punkten in drei Jahren.
– Rund 40 Bachelor-Studienrichtungen in den Bereichen Technik, Sozialwesen, Wirtschaft und Gesundheit.
– Regelmäßiger Wechsel zwischen Theorie- und Praxisphasen.
– Finanzielle Unabhängigkeit durch festes monatliches Gehalt.
– Kleine Kurse mit rund 30 Studierenden und intensiver Betreuung.
– International anerkannter Bachelor of Science, Bachelor of Arts oder Bachelor of Engineering.
– Anschließendes Masterstudium möglich.

Dualer Master

DHBW CAS (Center for Advanced Studies):

– berufsbegleitendes und berufsintegrierendes Studium in Kooperation mit einem Unternehmen beziehungsweise einer Einrichtung (Dualer Partner)
– 25 Masterstudiengänge in den Bereichen Wirtschaft, Technik, Sozialwesen und Gesundheit
– Zahlreiche Wahlmodule für eine pass-genaue Ausrichtung des Abschlusses

www.cas.dhbw.de

Schreibzentrum

Peer Mentoring Programm: Viele Studierende kennen den Anflug von Panik, wenn der Abgabetermin einer wissenschaftlichen Arbeit näher rückt. Das Schreibzentrum unterstützt Studierende der Fakultät Sozialwesen mit dem notwendigen Know-how rund um formale und fachliche Vorgaben und weiß, wie man beispielsweise Schreibblockaden in den Griff bekommt. Derzeit werden auch Studierende als Peer Mentors ausgebildet, um Kommilitoninnen und Kommilitonen zusätzlich Hilfestellung geben zu können. Die beiden ersten Mentorinnen sind bereits im Einsatz, und das Konzept der Peer-Beratung soll in der kommenden Zeit weiter etabliert werden.