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Ein Baggerfahrer und ein Dandy

Am 9. August kommen Alexander Scheer, Andreas Dresen & Band und am 10. September Woods of Birnam ins Theaterhaus

Ein Baggerfahrer und ein Dandy

Woods of Birnam widmen sich musikalisch Oscar Wilde und seinem Werk „Das Bildnis des Dorian Gray“. Foto: Carsten Beier

Erst waren da Soundtracks für Film und Theater, dann wurden die Musik und Bands ein Selbstläufer: Am 9. August kommen Alexander Scheer, Andreas Dresen & Band ins Theaterhaus; am 10. September Woods of Birnam. So kann das Publikum gleich zweimal auf unterschiedliche Weise erleben, wie sich Medien erfolgreich gegenseitig befruchten.

Alexander Scheer, Andreas Dresen & Band rufen am 9. August, um 20 Uhr, mit „Immer wieder nie genug“ den Liedermacher Gerhard Gundermann (1955–1998) in Erinnerung. „Gundi“ war eine schillernde Gestalt: Der Baggerfahrer und Tagebau-Malocher wirkt, wie aus einem proletarischen Bilderbuch entsprungen. Seine Texte voller poetischer Bilder hat er geschrieben, während er im Lausitzer Tagebau in luftiger Höhe einen riesigen Bagger bediente. Seine Konzerte spielte er zwischen zwei Schichten.

Mit dem Arthouse-Film „Gundermann“ haben 2018 der Regisseur Andreas Dresen und der Sänger, Musiker und Schauspieler Alexander Scheer in der Rolle des „Gundi“ dem widersprüchlichen Liedermacher aus der DDR ein mehrfach ausgezeichnetes Denkmal gesetzt. Sechs Lolas, der Bayrische Filmpreis 2019 und der Preis für die Deutsche Schallplattenkritik – die Liste der Auszeichnungen kann sich sehen lassen. Die Lieder vereinen Melancholie, Sozialkritik und einen Schuss Ostalgie

Der Soundtrack bohrte sich so nachhaltig ins Musikgedächtnis des Publikums, dass er unter die Top 20 der Deutschen Albumcharts gelangte. Eigens für die Filmpremiere gründete sich eine Band um Alexander Scheer und Andreas Dresen und ging mehrfach auf Tour. Mit mehr von Gundermann und auch zwei bislang unvertonten Texten des Liedermachers sind sie nun im Theaterhaus zu erleben. Alexander Scheer und Andreas Dresen übernehmen Gesang, Gitarre, Ukulele und Mundharmonika. Verstärkt werden sie von Jens Quandt (Keyboards, Mundharmonika und Percussion), Jürgen Ehle (E-Gitarre und Gesang), Harry Rosswog (Bass) und Nicolai Ziel (Schlagzeug). Was Verkörperungen von Musikern betrifft, ist Alexander Scheer ein alter Hase. Das bewies er schon 2007 als Keith Richards in „Das wilde Leben“, und aktuell bezeugt er es als David Bowie am Schauspielhaus Hamburg. Deshalb darf auch etwas Bowie in das Gundermann-Konzert einsickern. Ebenfalls zu hören: Songs vom Liedermacher Gisbert zu Knyphausen, Pankow und Rio Reiser.

Neben Alexander Scheer, Andreas Dresen & Band ließ sich ein weiterer Theaterhaus-Gast von anderen Medien inspirieren: Die Alben der Band Woods of Birnam um den Schauspieler und Sänger Christian Friedel sind im Kontext von Theaterinszenierungen wie „Hamlet“ und „Macbeth“ entstanden. Gegründet hat sich die Band 2011 in Dresden, und neben dem Frontmann und Keyboarder Christian Friedel gehören ihr Musiker der ehemaligen Popband Polarkreis 18 an. Philipp Makolies wird an der Gitarre zu hören sein und steuert auch Background-Gesang bei, Uwe Pasora übernimmt den Bass und Christian Grochau die Drums. Onno Dreier komplettiert die Combo mit Keyboards und Background-Gesang.

Das aktuelle Album entspringt dem gleichnamigen Stück „Dorian“ über Oscar Wildes Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ von 1891. Inszeniert hat es der bildgewaltige Theateraltmeister Robert Wilson. Für die Produktion kooperierten das Düsseldorfer Schauspielhaus, das Staatsschauspiel Dresden und das National Kaunas Drama Theater (Litauen). Drei Handlungsstränge sind es, die Wilson verknüpft, so die Beziehungen des Malers Francis Bacon mit dem Kleinkriminellen George Dyer und Oscar Wildes mit dem Poeten Alfred Douglas, die ihm zwei Jahre Zuchthaus einbrachte. Und natürlich geht es um Dorian Grays Besessenheit mit seinem Porträt, das an seiner Stelle altert, um Schein und Sein und um die Relevanz von Kunst. Woods of Birnam haben für das Stück einen emotionsgeladenen, elegischen Soundtrack geschaffen. Ausgangspunkt für die Songs bildeten die Texte des mit Wilde liierten Dichters Alfred Douglas. Feinfühlig transferierten Friedel und Band die alte englische Ausdrucksform in moderne Popmusik.

Manches klingt verträumt, anderes bombastisch und steht dem Glamrock nahe. Von Disconummern der 1970er-Jahre inspiriert ist der Song „I will Survive You“, und melancholisch präsentiert sich „On the White Sea“. Eine Swingnummer aus den 1960ern von Peggy Lee liegt einem weiteren Song zugrunde. Auch Lieder von vorherigen Alben werden zu hören sein, darunter „I’ll Call Thee Hamlet“ und der Song „Woods of Birnam“. Und natürlich kann man den Babylon-Berlin-Song „Du bist alles“ genießen. Zu erleben ist all das am 10. September, um 19.30 Uhr, im Theaterhaus. Tickets gibt es unter 07 11 / 4 02 07 20, oder theaterhaus.com. Anna Belting


13. Stuttgarter Flamenco Festival

TANZ. Mit 17 Künstlerinnen und Künstlern und 13 Kursen wartet das 13. Stuttgarter Flamenco Festival vom 29. Juli bis 5. August auf. Den Auftakt dazu macht Cía Marco Flores mit „Rayuela“ am 29. Juli um 20 Uhr im Theaterhaus. Flores spannt einen Bogen über die tausendjährige Kultur des Flamenco. Ihren Auftritt haben die „Flamenquitos“, Semiprofessionelle und Amateure aus Deutschland und darüber hinaus, am 30. Juli, um 19 Uhr. „Baile de Autor“ ermöglicht dann am 2. August um 20.15 Uhr einen Einblick in die kreative Konstruktion eines künstlerischen Werks und legt alle Elemente offen, die den Tanz im Theater unterstützen. Manuel Liñan ist ebenso Solotänzer wie Choreograf. Beide Facetten stellt er in einer sehr persönlichen Performance dar. Tickets gibt es unter 07 11 / 4 02 07 20 und theaterhaus.com. red


Eine Lady für Herz, Hirn und Zwerchfell

TRAVESTIE. Unter dem Motto „Hereinspaziert!“ lädt Frl. Wommy Wonder vom 27. Juli bis 20. August ein zu atemberaubenden Abenden mit schönen Chansons, spitzen Satiren, bunten Bonmots und leichter Unterhaltung mit Tiefgang für Herz, Hirn und Zwerchfell.

Wer herzlich lachen und dabei das Niveau nicht aus den Augen verlieren will, ist hier goldrichtig. Und wenn Wommy mal nicht weiter weiß, gibt Kultraumpflegerin Elfriede Schäufele gern ihren Senf dazu. Bis 6. August sorgt sich zusätzlich noch Schwester Bärbel um das Wohl der Gäste, und mittwochs gibt’s die Sondershow „Wommy trifft …“ mit befreundeten Künstlern. red


Elemente erwachen zum Leben

FAMILIENKONZERT. Die Hanke Brothers, vier Brüder außer Rand und Band, geben im Theaterhaus am 5. August, um 15 Uhr, unter dem Titel „Elements“ ein Familienkonzert. Sie greifen zu Blockflöte, Tuba, Violine, Bratsche und Klavier sowie zum Zauberstab und lassen die vier Naturelemente nicht nur musikalisch erklingen, sondern erwecken sie auch durch Magie zum Leben.

Mit ihrer Spielfreude stecken sie alle an. Die Hanke Brothers, das sind David Hanke (Blockflöte), Lukas Hanke (Viola, Percussion), Joni Hanke (Klavier) und Fabian Hanke (Tuba, Violine). red