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Ein Wald voller Erinnerung: Der Waldfriedhof Degerloch

Der Waldfriedhof in Stuttgart-Degerloch ist mehr als ein Ort des Abschieds. Er vereint Natur, Architektur und Geschichte - und birgt die Gräber von Persönlichkeiten wie Robert Bosch und Theodor Heuss.

Ein Wald voller Erinnerung: Der Waldfriedhof Degerloch

Die Jungfrau mit den Tränenschalen stammt von Josef Zeidler aus dem Jahr 1914. Sie steht vor der Halle zwischen den Säulenpaaren der rückseitigen Säulenvorhalle. Das linke Bild zeigt das Grab vom Ex-Bundespräsidenten Theodor Heuss und seiner Frau Elly Heuss-Knapp.   Fotos: z

Der Waldfriedhof wurde 1913 nach Plänen des Stadtbaudirektors Albert Pantle angelegt. Seine naturnahe Lage im Degerlocher Wald war bewusst gewählt, um Trauer und Natur in Einklang zu bringen. Mit rund 30 Hektar ist er der größte Friedhof Stuttgarts und beherbergt etwa 15 000 Grabstellen. Zwei Hauptbereiche prägen die Anlage: der ältere westliche Teil und der jüngere "Viereichenhau“. 

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Herzstück des Friedhofs ist die Aussegnungshalle mit Travertinsäulen (Cannstatter Travertin). In der Halle wurde eine Orgel von Walcker (1956) eingebaut; das Mosaik in der Apsis zeigt den auferstandenen Christus, geschaffen von Rudolf Yelin. Vor der Halle zwischen den Säulenpaaren der rückseitigen Säulenvorhalle steht ein Brunnen mit der ägyptisierenden schwarzen Kupferskulptur„Die Jungfrau mit den Tränenschalen" von Josef Zeitler aus dem Jahr 1914. Von den beiden Schalen, die die Skulptur in die Höhe hält, rieselt das Wasser tropfenweise in das runde Brunnenbecken. Eine Inschrift neben dem Brunnen besagt: "Jeder Tropfen gilt zugleich einem erlöschenden Menschenleben". 

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Besonders eindrucksvoll sind die Ehrenfelder: Für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs entwarf Architekt Paul Bonatz ein schlichtes, würdiges Ensemble. Für die Opfer des Zweiten Weltkriegs schufen Eva Zippel und Fritz von Graevenitz Mahnmale, die bewusst auf Pathos verzichten. 

Auf dem Gräberfeld der Fliegeropfer des Zweiten Weltkrieges (Abteilungen 2b und 2c) liegt hinter der Großen Wiese mit dem Hochkreuz von Max Natter vor dem Ehrenmal für die gefallenen Teilnehmer des Ersten Weltkriegs. Hier wurden 482 von den 4562 Luftkriegsopfern begraben, die bei Luftangriffen auf Stuttgart 1943 bis 1945 ihr Leben verloren. 

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Seit 1929 erreicht man den den 100 Meter höher gelegenen Waldfriedhof auch mit der historischen Standseilbahn vom Südheimer Platz - ein Erlebnis, das schon die Anreise in ein Ritual verwandelt. 

Persönlichkeiten auf dem Waldfriedhof
Der Friedhof ist letzte Ruhestätte zahlreicher bedeutender Stuttgarter. Robert Bosch, Industrieller und Stifter, fand hier 1942 seine Ruhe. Auch Theodor Heuss, erster Bundespräsident der Bundesrepublik, und seine Frau Elly Heuss-Knapp sind hier begraben. Der Architekt Paul Bonatz, Schöpfer des Stuttgarter Hauptbahnhofs, ruht wenige Schritte von seinem eigenen Ehrenmalentwurf entfernt. 

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Weitere Namen sind der Bauhauskünstler Oskar Schlemmer, der Unternehmer Gottlob Bauknecht, Oberbürgermeister Arnulf Klett sowie die Künstler Josef Zeitler und Otto Herbert Hajek. Ihre Gräber inklusive ihrer Kunstwerke, machen den Friedhof auch zu einem Ort der Kulturgeschichte. 

Natur und Symbolik
Sein parkähnlicher Charakter mit Rhododendren, alten Bäumen und sanften Wegen verleiht dem Waldfriedhof eine besondere Stimmung. In bestimmten Bereichen gibt es Baumgräber, bei denen Urnen im Wurzelbereich eines Baumes beigesetzt werden - ein Zeichen für die enge Verbindung von Natur und Vergänglichkeit.