In seiner Wohnung in der Straifstraße stehen im großen Wohnzimmerregal unzählige Bücher, die er geschrieben hat. Es sind Standardwerke der Numismatik, die in der Landesbibliothek und in fast jeder Uni-Bibliothek zu finden sind, aber auch Postkartenbücher über Degerloch.
Ans Aufhören denkt der ehemalige Rektor der Lerchenrainschule in Stuttgart-Süd noch lange nicht, lieber sammelt er weiter Wissen über Münzen und über Degerloch.
Auch wenn Albert Raff nicht in Degerloch geboren ist, so ist er väterlicherseits auf den Fildern verwurzelt. Sein Vater, ein Degerlocher, hatte ein landwirtschaftliches Gut in Pommern gekauft, wo er am 1. April 1944 das Licht der Welt erblickte. Die Geschichte hat kein schönes Ende.
Als Albert Raff ein Jahr alt ist, muss er mit seiner Mutter, gebürtig aus Stettin, seiner Großmutter und seinen beiden Geschwistern fliehen. Seinen Vater hatten die anrückenden Russen auf dem Hof erschossen. Die Familie landete in seiner alten Heimat Degerloch.
Albert Raffs Mutter stammte aus einer Lehrerfamilie und wollte, dass ihr Sohn die Familientradition Scheuffele fortführt. Doch der machte lieber Modellbau. Weil sein älterer Bruder bei der Buchdruckerei arbeitete, machte er dort eine Lehre, und wurde auf dem zweiten Bildungsweg doch noch Lehrer.
20 Jahre Rektor der Lerchenrainschule
Mit 18 Jahren absolvierte Raff erfolgreich die Aufnahmeprüfung an der Technischen Oberschule, dem ehemaligen Wilhelms-Gymnasium, machte ein paar Jahre später Abitur und studierte. Nach Stationen an der Falkertschule und der Fasanenhofschule war Albert Raff 20 Jahre Rektor der Lerchenrainschule, wo er als junger Mann in den Schuldienst gestartet war. Nebenbei wurde er zum Ortshistoriker.
2011 und 2014 hat er sein lokalgeschichtliches Wissen in den Büchern „Ansichtssache Degerloch“ und „Degerlocher Raritäten“niedergeschrieben, für die er eine Auswahl aus seiner Sammlung von rund 500 historischen Postkarten zusammengestellt hat.
Leider seien beide Bücher längst vergriffen, erzählt er. Im Jahr 2017 hat Albert Raff noch ein „Büchlein“ mit 40 Seiten über „Die Jagdfeste von Herzog Karl Eugen im Ramsbachtal“, die legendär waren, geschrieben.
Es ist sein bisher letztes Degerloch-Werk in geschriebener Form, aber mündlich erzählt er gerne über die Vergangenheit, zuletzt referierte er im Rahmen der Geschichtswerkstatt über Degerloch während des Nationalsozialismus.
Im Sommer erschien auch wieder ein Buch von Albert Raff: „Württembergische Münzgeschichte 1374-1873“. Es geht darin um seine zweite Leidenschaft, die Numismatik, im Volksmund Münzenkunde genannt.
Auf 600 Seiten hat er die württembergische Münzgeschichte dokumentiert. Es ist kein Lesebuch, sondern „ein wissenschaftliches Werk“, sagt er. Bereits davor hat er in neun Büchern württembergische Medaillen, Münzen, thematisiert.
eha/red