Sie gehören zum Stuttgarter Volksfest wie das Maß, das Göckele, gebrannte Mandeln und Lebkuchenherzen: Die Rede ist von den Fahrgeschäften. Viele davon sind auf dem Wasen aufgebaut, darunter traditionell Bekanntes wie die „Petersburger Schlittenfahrt“.
Sie ist seit zehn Jahren wieder auf dem fast 16 Hektar großen Gelände zu finden. Und freilich sind auch allerlei Vergnügungsattraktionen zu entdecken, die zum ersten Mal dort Station machen. Das nostalgisch anmutende „The Grand Carousel“ etwa: Das größte transportable Etagenkarussell der Welt wurde neu konzipiert und gefertigt – mit schmucken Pferden, Bildern, Spiegeln und Lichtern in historischem Look.


Premiere hat zudem „Fast & Furious“: Szenen aus dem gleichnamigen Film prangen an den Kulissen, vor denen sich Autogondeln rasant in drei Dimensionen drehen. Hoch und rund geht es im „Beach Jumper“ und auch im „Jetlag“, dessen Sitze noch in sich rotieren. Und während bei der Achterbahn „Euro-Coaster“ die Gondeln an einer Fahrschiene hängen, so die Beine der Mitfahrenden frei schwingen, fetzten die Waggons der Achterbahn „Feuer und Eis“ auf den Gleisen.
„Darauf freue ich mich schon“, sagt Kirmesfan Claudia Meinard. Die gebürtige Remstälerin kommt jedes Jahr auf den Cannstatter Wasen, obwohl sie nun im Rheinland lebt. Den ‚Rock & Roller-Coaster’, Deutschlands größte mobile Achterbahn mit Einzelwagen, will sie wieder fahren. „Und in ein Überkopffahrgeschäft werde ich steigen“, so die 39-Jährige. „Da gibt es den ‚Transformer’, den ‚Airwolf’ und die Kreiselschaukel ‚XXL’. Sie sind alle super!“
Für Schauriges indes ist sie nicht so zu haben – dafür ihr Mann Karlheinz. „Der muss sich dann alleine fürchten“, lacht sie. Gleich drei Geisterbahnen locken auf dem zweitgrößten Volksfest der Welt zum Gruseln. Und außerdem zwei Ausgaben eines Klassikers, dem Riesenrad. „Das genießen wir gemeinsam, wir haben uns in einem Riesenrad verliebt!“ Darin hat man besonders in den Abendstunden einen herrlichen Blick über das Fest, das ursprünglich ein Erntefest war – und Fotomotive.
Diese bieten auch der funkelnde „Cannstatter Wellenflug“ und die farbenfrohe „Wilde Maus“. Ihre Chaises, in die je vier Personen passen, rasen auf einer Strecke von 370 Metern temporeich und steil um Ecken und Kurven. Dort könnten sich „Omas, Opas, Enkel sowie Verliebte und Abenteurer den richtigen Kick“ holen, werben die Schausteller.
Warum das so ist, haben die Medizinnobelpreisträger May-Britt und Edvard Moser herausgefunden. Das Gehirn misst demnach Geschwindigkeit mit „Speed“-Zellen. Das sind spezialisierte Nervenzellen im Hippocampus, die für Orientierung im Raum sorgen. Mit ihrer Hilfe legt das Gehirn eine Art Umgebungskarte an, die zur Navigation dient. Das norwegische Hirnforscherpaar entdeckte, dass 15 Prozent der Zellen in dieser Hirnregion „Speed“-Zellen sind.
Wenn die Geschwindigkeit von jetzt auf nachher steigt, zeigen diese einen plötzlichen Anstieg elektrischer Aktivität: Laut Experimenten können Speed-Zellen eine kommende Beschleunigung um 100 Millisekunden vorausahnen. Hinzu kommt, dass das Gleichgewichtsorgan im Ohr erkennt, wie schnell sich der Körper im Raum bewegt und die Augen die eigene Geschwindigkeit abschätzen.
Für eine Achterbahnfahrt bedeutet das: Eine Explosion neuronaler Aktivität beginnt im Hirn, kurz bevor die Waggons quasi in den Abgrund stürzen. Also in dem Moment, in dem der freie Fall erwartet wird, steigen Adrenalin und Endorphin. Diese Angstreaktion entsteht in der Amygdala, dem Mandelkern. Er liegt neben dem Hippocampus, wo eben die Reize für räumliche Orientierung und Beschleunigung verarbeitet werden. Beide sind verkoppelt.
Das Spannende dabei ist, dass bei einer Achterbahnfahrt das Navigationssystem verwirrende Signale erhält. Die Muskeln melden, dass der Körper sitzt, die Augen aber sehen einen rasanten Ritt. Wie sich das dann auswirkt, kommt auf den Typ an. Bei Achterbahnfans werden die Angstsignale der Amygdala umgedeutet – und so wird aus Nervenkitzel Spaß. Petra Mostbacher-Dix
ANREISE, PARKEN UND MEHR
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
Die Stadtbahn-Volksfestlinie U11 fährt als Sonderlinie an allen Festtagen vom Hauptbahnhof direkt zum Cannstatter Wasen und zurück. Die Linie U19 fährt zusätzlich von Montag bis Freitag vom Wilhelmsplatz (Bad Cannstatt) bis jeweils 20 Uhr. Außerdem können Besucherinnen und Besucher die Linien U1, U2, U13 und U16 bis zur Mercedesstraße nehmen. Die S-Bahnen S1, S2 und S3 sowie zahlreiche Regionalbahnen fahren zum Bahnhof in Bad Cannstatt. Zum Volksfest sind es etwa zehn Minuten entlang der Beschilderung.
Neu in diesem Jahr: die beiden Unterführungen zwischen dem Wasen-Gelände und Bad Cannstatt funktionieren für Fußgängerinnen und Fußgänger als „Einbahnstraße“. Das bedeutet, auf das Festgelände gelangt man durch die Unterführung am Ende der Kegelenstraße. Der Rückweg führt durch die zweite Unterführung an der Elwertstraße. Entsprechende Schilder auf dem Gelände weisen auf die Laufrichtungen hin.
Anreise mit dem Fahrrad:
Fahrradparkplätze und Parkplätze für motorisierte Zweiräder befinden sich unter dem Willi-Daume-Steg im Bereich des Parkplatzes P10 sowie an der Stadtbahnhaltestelle „Cannstatter Wasen“ (SSB-Übergang Mercedesstraße). Abstellplätze nur für Fahrräder gibt es am Eingang Krämermarkt an der König-Karls-Brücke sowie am Neckarradweg zwischen Campingplatz und Recyclinghof. Wer mit dem E-Bike kommt, hat erstmals die Möglichkeit, den Akku kostenfrei aufzuladen. Es gibt Ladestationen am Waseneingang an der König-Karls-Brücke und neben dem Getränkeautomaten an der Talstraße nähe Willi-Daume-Steg.
Das Festgelände ist Fußgängerzone, das heißt, auf den letzten Metern absteigen. www.cannstatter-volksfest.de/de/anreise/ mit-dem-fahrrad/
Anreise mit dem Auto:
Im Bereich des Cannstatter Wasens stehen Parkplätze für Pkw zur Verfügung. Das Parken kostet für Pkw ganztägig 8 Euro.
Neu in diesem Jahr: das „Mittagsparken“. Wer nur zum Mittagessen auf den Wasen kommen möchte, kann unter der Woche von 11.30 bis 14 Uhr für vier Euro parken.
ANLAUFSTELLE WASENBOJE
Sicherheit: Jeder und jede soll sich entspannt und frei auf dem Festplatz bewegen können. Die Polizei, das Deutsche Rote Kreuz, der Ordnungsdienst und viele mehr sorgen vor Ort für die Sicherheit. Dieses Jahr gibt es zusätzliches Angebot auf dem Gelände, das sich als „Safer Space“ speziell an Mädchen und Frauen richtet: die Wasenboje. Der dunkelblaue Container mit dem neongrünen „Wasenboje“-Logo steht am Eingang zum Festgelände. Hat jemand die eigene Gruppe verloren, zu viel getrunken oder Belästigung erfahren, ist die Wasenboje eine erste Anlaufstelle.