An Open-Air-Auftritten liebe er besonders, dass sich das Ganze noch mehr als Party anfühle, sagt Andy McCluskey – einer der Gründer sowie der Sänger und Bassist der 1978 gegründeten Band Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD). Beste Voraussetzungen also für das Konzert der KultBand am 12. August auf der Bürger-Freilichtbühne Killesberg. Mit dem Sänger, Bassisten und Keyboarder auf der Bühne stehen dann Paul Humphreys, ebenfalls Gründungsmitglied (Keyboard und Gesang), sowie Martin Cooper (Keyboard und Saxofon) und Stuart Kershaw (Schlagzeug).
Insgesamt 16 Hits, die es als Single-Auskoppelung gab, werden OMD im Gepäck haben. Und obwohl seit dem Gründungsjahr 1978 48 Jahre vergangen sind und die Möglichkeiten elektronischer Musik heute ganz andere sind als damals, wird der Sound so authentisch sein wie eh und je. Das Geheimnis? „Wir haben Samples von den alten Tonbändern genommen auf ein modernes Keyboard übertragen“, verrät McCluskey. Geändert hat sich nur die Optik: Denn während in den Anfangsjahren mehrere Instrumente auf der Bühne sein mussten, um die gewollten Elemente erzeugen zu können, reicht nun ein einziges und es sind keine Lautsprecher mehr „on stage“. Da sind OMD auf In-Ear-Technologie umgestiegen.
Den ersten Synthesizer hätten sie aus dem Katalog seiner Mutter bestellt, erinnert sich der Band-Mitbegründer. Es war ein ganz billiges, einfaches Instrument. Sieben Pfund und 76 Pence hätten sie dafür bezahlt, Rate für Rate, 36 Wochen lang. „Und es klang fürchterlich“, sagt er lachend. Heute ist das alles ganz anders.„Wir sind jetzt im digitalen Zeitalter, und es ist alles viel einfacher. Man braucht nur einen einziges Synthesizer, in den man alles einprogrammieren kann. Wenn man einen anderen Sound haben möchte, drückt man einfach auf den Knopf.“
In diesen Anfangsjahren gab es zwei Bands, von denen OMD sich begeistert inspirieren ließen: Kraftwerk und Neu! – beide aus Düsseldorf. Andy McCluskey erinnert sich noch gut daran, als sie 1982 in der Zeche in Düsseldorf spielten – und er plötzlich die vier Typen im schwarzen Outfit als Mitglieder der von ihnen so bewunderten Band erkannte. Unglaublich nervös sei er da gewesen. „Das war, als käme Gott zu Besuch. Furchteinflößend!“ Am Kraftwerkklang liebten OMD das Minimalistische, Intellektuelle, bei Neu! die Energie und die Emotionen. „Unsere Band hat beides. „Wir benutzen die Elektronik, um das Menschliche zu feiern.“
Mit der Zeit entwickelten sich auch Freundschaften zwischen den beiden Bands. So konnte McCluskey sich damals mit Karl Bartos, Keyboarder und Sänger von Kraftwerk von 1975 bis 1990, deren KlingKlang_Studio ansehen. Bartos wiederum besuchte ihn in England. Für ihn waren die Beatles ein großes Vorbild, daher wollte er die Orte besuchen, die John Lennon zu „Strawberry Fields Forever“ inspiriert hatten und Paul McCartney zu „Penny Lane“. Beide Titel waren auf einer 1967 veröffentlichten Single versammelt, die heute als eine der Besten der Beatles überhaupt gilt und zwei gleichwertige A-Seiten besitzt. Der Kontakt zwischen den beiden Bands besteht nach wie vor, und wenn die Umstände günstig sind, besuchen sie sich gegenseitig.
Wenn OMD Live-Konzerte spielen, lieben sie die besondere Energie, die sie in den Zuschauerraum schicken und die dann vom Publikum aus wieder zu ihnen auf die Bühne kommt. „Wir möchten den Menschen einen glücklichen Moment bescheren“, sagt der Sänger und Bassgitarrenspieler. Er findet, dass man unbedingt Respekt haben sollte vor dem Song, wie er geschrieben wurde – wie auch gegenüber den Erinnerungen, welche die Menschen mit dieser Musik verbinden. Hits können Teil ganzer Lebensgeschichten werden, zum Soundtrack einer bestimmten Zeit. „Bei vielen weckt das die Erinnerung an das Schöne.“ Sie seien auf jeden Fall glücklich, wenn Ihnen das gelinge.
Für OMD wird es der erste Auftritt auf der Stuttgarter Freilichtbühne sein – es ist aber natürlich nicht der erste in Stuttgart. Falls es sein Terminkalender erlaubt, wird er vielleicht wieder einmal in die Staatsgalerie gehen. Er liebe den Bauhaus-Stil, verrät er. Vielleicht benannten sie deswegen ihr 14. Album „Bauhaus Staircase“? McCluskey erinnert sich auf jeden Fall mit Begeisterung an die Ausstellung zum „Triadischen Ballett“ von Oscar Schlemmer, die er sich dort angesehen hat.
OMD: 12. August, 20 Uhr, Bürger Freilichtbühne Killesberg, Tickets 07 11/2 555 555,
c2concerts.de