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Patti Smith in Stuttgart: Eine, die sich nicht vereinnahmen lässt

Fünf Jahrzehnte Widerstand, Leidenschaft und neue Energie - Open-Air-Konzert am Mittwoch, 2. Juli, auf der Freilichtbühne Killesberg

Patti Smith in Stuttgart: Eine, die sich nicht vereinnahmen lässt

Künstlerin, Poetin, Kämpferin: Patti Smith ist all die Jahre vital geblieben. Foto: Tom Dumont

Mit einem einzigen Satz erhob sich Patti Smith aus dem Schatten der Geschichte: „Jesus died for somebody's sins - but not mine.“ Fünfzig Jahre ist es her, dass dieser Satz aus dem Lied „Gloria“ eine neue Ära einleitete. Fünf Jahrzehnte, in denen Patti Smith zur lebenden Legende wurde. Nun kommt sie zurück - nach Deutschland, nach Stuttgart. Am Mittwoch, 2. Juli, steht sie auf der Freilichtbühne auf dem Killesberg. Ein Open-Air-Konzert unter freiem Himmel, inmitten der automobilem Ästhetik. Es dürfte kein Nostalgie-Abend werden, auch wenn sicher einige der Fans im gesetzten Alter sein werden.

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Eher ein Akt der Präsenz. Patti Smith ist keine, die sich auf dem Ruhm vergangener Jahrzehnte ausruht. Ganz im Gegenteil - sie lebt jeden Auftritt wie den ersten. Patti Smith ist kein Star im klassischen Sinn, kein Pop-Phänomen von der Stange. Sie ist Künstlerin, Kämpferin, Kompagnon.

Gegen Krieg und Ignoranz

Wer ihre Konzerte besucht, erlebt eine Manifestation. Ihre Worte sind keine hohlen Phrasen. Bitte sehr, Patti Smith ist 78 Jahre alt. Doch auf der Bühne steht kein Denkmal, sondern ein Mensch. Einer, der Haltung zeigt. Der gegen Krieg singt, gegen Ignoranz, gegen Trägheit. Und der für die Liebe eintritt, für die Erinnerung, für die Kraft der Kunst. In Stuttgart wird sie wieder das tun, was sie am besten kann: ihre Stimme erheben, die Gitarre sprechen lassen, das Publikum mitnehmen in eine lange Reise aus Klang, Tönen, Geschichte und Gegenwart.

Dabei ist es erstaunlich, mit welcher Vitalität Patti Smith immer noch auftritt. Nichts wirkt aufgesetzt, nichts abgegriffen. Sie schreit nicht mehr, sie beschwört. Und doch ist da noch immer diese Wut, die sie nie verlassen hat. Diese Flamme, die nicht erloschen ist. Ihre Lieder sind Gebete und Proteste zugleich, ihre Gedichte Zwischenrufe aus einer anderen Welt. Die Bühne wird zur Kanzel, die Musik zur Liturgie. Kein Zufall, dass man sie die Hohepriesterin des Rock nennt. Ihr Publikum - in Stuttgart wie überall - folgt ihr mit gläubiger Aufmerksamkeit.

Ihre Band, das Patti Smith Quartet, ist mehr als nur Begleitung. Es ist eine verschworene Gemeinschaft, ein Klangkörper, der atmet, zittert, explodiert. Lenny Kaye, der Gitarrist der ersten Stunde, ist wieder mit dabei. Die alten Lieder - „Because the Night“„Gloria“, „People Have the Power“ erklingen nicht als Abziehbilder. Sie sind frisch, dringlich, mit neuer Energie aufgeladen. Und es gibt neue Songs, Gedichte, Improvisationen. Kein Abend gleicht dem anderen. Auch in Stuttgart nicht.

2022 hat sie über 40.000 Menschen in Deutschland begeistert, 2023 spielte sie intime Clubkonzerte. Nun also die großen Bühnen: Hamburg, Berlin, München und Stuttgart. Dass sie auch in der baden-Württembergischen Landeshauptstadt Station macht, ist ein Glücksfall. Denn die Stadt, die sich gern als Hochburg der Hochkultur begreift, kann eine Prise Anarchie gut gebrauchen. Patti Smith bringt sie mit. Nicht als Pose, sondern als Lebensform.

Womöglich ist es auch das, was sie so einzigartig macht: Sie hat sich nie vereinnahmen lassen. Nicht vom Kommerz, nicht vom Kulturbetrieb. Sie bleibt widerständig, selbstbestimmt, ehrlich. Ihre Musik ist rau, ungeschliffen, direkt.

Wer Patti Smith live erlebt, wird Zeuge einer Transformation. Die Bühne ist ihr Labor, die Musik ihr Medium. Die Freilichtbühne wird für einige Stunden Teil dieses Experiments. Es könnte einer jener Abende werden, von denen das Publikum lange danach noch spricht. Weil da eine Frau zu Gast war, die das Leben ernst nimmt, die den Tod nicht fürchtet und den Moment liebt.

Eine, die uns daran erinnert, was Rock'n'Roll einmal war - und was er immer noch sein kann: Aufschrei, Trost, Wahrheit. Und alles zusammen.

Von Reimund Abel


Viele Stimmen für großes Glück

Auf der Freilichtbühne Killesberg gibt es zwei sommerleichte Konzerte mit klassischen Flair: am 23. Juli spielt das Staatsorchester Stuttgart mit 1000 Grundschulkindern, am 18. Juli erklingen Voces8.

Schon die alten Griechen und Römer wussten, was Freude macht und gut tut. Noch heute zeugen Arenen an vielen Orten in Südeuropa davon, dass Kulturgenuss unter freiem Himmel zu einem gelungenen Lebenskonzept gehörten. Ganz so alt ist die Freilichtbühne nicht, aber dass diese ein Veranstaltungsort mit besonderem Zauber ist, dürfte klar sein. Am 23. Juli wird die Freilichtbühne aber noch aus einem anderen Grund zu einem sehr besonderen Ort: beim Sparda Klassik Open Air präsentiert das Staatsorchester Stuttgart unter Leitung von Generalmusikdirektor Cornelius Meister ein ebenso unterhaltsames wie anspruchsvolles Programm für die ganze Familie.

Der Clou: In diesem Jahr wird das Konzert von über 1000 Grundschulkindern aus dem Projekt „SingGrund“ (singende Grundschulen Filderstadt) bereichert - ein Höhepunkt in der Erfolgsgeschichte des Projekts, das von der Sparda Bank Baden-Württemberg unterstützt wird. Für die geistige Mutter des Projekts, Monika Grauschopf, sowie Katrin Bleier, die Leiterin der Filderstädter Musikschule so etwas wie ein Realität gewordener Traum. „So etwas gab es noch nie und wird es vermutlich auch nicht mehr geben“, sagen sie. Der Kontakt ist über die Karl Schlecht Stiftung geknüpft worden. Wie schön, dass dieser besondere Moment im Jubiläumsjahr der Großen Kreisstadt und ihrer Musikschule stattfindet: beide werden 50. Das Projekt „Singgrund“ besteht seit 15 Jahren.

Allen Beteiligten gemeinsam ist die Überzeugung, das gemeinsames Singen eine der besten Möglichkeiten ist, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. So verhilft das Projekt jedem Grundschulkind auf den Fildern zu einer Stunde Singen pro Woche. Dieses Jahr ist das große Abschlusskonzert des Projektes der Prolog des Sommerkonzerts des Staatsorchesters, das ausverkauft ist. Eventuell gibt es Restkarten an der Abendkasse.

Von Renaissance bis Pop

Schon davor gibt es übrigens die Möglichkeit, klassische Musik unterm Sternenzelt zu genießen: am 18. Juli, wenn die britische A-Capella-Group Voces8 and Friends mit einem Best-of-Programm von Renaissance bis Pop zu einer musikalischen Zeitreise einlädt. Das Ensemble feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen, war 2023 nominiert für einen Grammy und ist auch beim jungen Publikum überaus populär - ihre Musikvideos haben hunderttausende Aufrufe.

Verstärkung kommt vom amerikanischen Frauen-Sextett Lyyra sowie drei Schulchören aus Stuttgart und der Region. Das Programm verspricht die Entdeckung spannender Arrangements: Orlando Gibbons lebte von 1583 bis 1625. Wie ernst ist wohl seine Aufforderung „O Clap Your Hands“ gemeint?

Hoffentlich erhört Petrus dieses Jahr den Wunsch nach „Blue Skies“, komponiert von Irving Berlin. Er schrieb auch den Ohrwurm „Puttin' on the Ritz“. Vertraut ist sicherlich vielen die Ballade „The Sound of Silence“ von Paul Simon.

Tickets gibt es unter 07 11 / 550 660 77, www.russ-klassik.de .
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