Wie dicht Freud und Leid beieinander liegen können und wie schmal oft der Grat zwischen Erfolg und Niederlage ist, haben die beiden Zwillinge Lasse und Nils Friedrich beim letzten Bottwartal-Marathon durchlebt. „Für mich lief es letztes Jahr sehr gut“, sagt Nils über sein erstes Rennen über die Halbmarathondistanz, bei dem er gleich den 8. Platz belegte. Bisher waren die beiden Spitzentriathleten bevorzugt auf der olympischen Distanz mit viel kürzeren Laufstrecken unterwegs.
Während also 2022 für Nils all seine Pläne, Hoffnungen und Wünsche in Erfüllung gingen, konnte Lasse damals kurzfristig wegen einer Corona-Erkrankung nicht an den Start. All die vielen Laufkilometer und die harten Vorbereitungen waren damit quasi umsonst. Und da kommt ganz schön etwas zusammen: bei Nils sind das momentan 70 Laufkilometer pro Woche.

Was kann man also von solchen Spitzensportlern lernen? Sich nach Rückschlägen wieder schnell neu zu motivieren und auszurichten – nicht aufgeben, wenn es beim ersten Versuch nicht klappt. Lasse und Nils sind dieses Jahr beide wieder am Start. „Zuletzt waren beim Halbmarathon schon mehr Starter angemeldet als bei allen anderen Läufe zusammen“, freut sich Nils auf die starke Konkurrenz.
Ganz entscheidend wird die Tagesform sein, das Wetter und die Renntaktik. „Hilfe! Bloß keine Sonne, keine Hitze, sagt der sympathische, durchtrainierte Topsportler eines Masterstudiengangs, der eindeutig kühles Rennwetter bevorzugt. „Jetzt hoffen wir nur, dass sich nicht einer von uns beiden gnadenlos überschätzt“, gibt er sich bescheiden. Zwillingsbruder Lasse will möglicherweise seine Zeit laufen, obwohl Nils als besserer Läufer rund fünf bis zehn Sekunden schneller ist – und das Rennkilometer für Rennkilometer. Denn: „Mein Plan vom letzten Rennen hat sich bewährt. Den behalte ich natürlich bei“, beschreibt er seine Vorgehensweise.
Was kann sich also Otto-Normalläufer von solchen Athleten abschauen? Zielorientierung: Selbst auf ein opulentes Essen mit Freunden und Kollegen hat Nils zugunsten der Vorbereitung verzichtet. Und: Aufregung in positive Energie umsetzen. Nils ist genauso aufgeregt wie ein Rookie am Start. Doch für ihn ist diese Aufregung positiv, liefert ihm Energieschübe und lässt ihn mit riesiger Vorfreude an den Start denken.
Drittens: Akribische Vorbereitung. Wenn Nils am Start steht, hat er vorher nichts dem Zufall überlassen. Selbst die Starterliste mit den Wettbewerbern studiert der junge Mann sorgfältig. Da dürfte sich dann doch die Wahrheit von Thomas Alva Edison bewahrheiten: „Erfolg besteht zu 1 Prozent aus Inspiration, und zu 99 Prozent aus Transpiration“. Ingo Nicolay