Bewerben für einen Ausbildungsplatz - das ging lange Zeit analog: Zeugnisse raussuchen, Lebenslauf schreiben, ansprechendes Passbild darauf, ein möglichst kreatives und charmantes Anschreiben formulieren. Abschicken. Und hoffen, Chef oder Personalabteilung damit zu überzeugen. Das Prozedere ist heute ähnlich - das Ergebnis aber im Normalfall digitalisiert unterwegs. Und statt einem Vorgesetzen muss oft erst mal der Computer überzeugt werden, bevor ein Mensch die Bewerbung zu Gesicht bekommt. Künstliche Intelligenz (KI) ist auch in diesem Bereich des Arbeitslebens angekommen. Je größer das Unternehmen, desto höher die Chance, dass Algorithmen in die Bewertung involviert sind.
Herausfiltern der besten Bewerberinnen und Bewerber
Die KI findet heraus, wie der ideale Bewerber für die Stelle aussieht, wie potenzielle Bewerber erreicht werden können, wie sie angesprochen werden wollen (Sourcing). Und: KI kann auch die Kommunikation übernehmen - ein Chatbot beantwortet typische Fragen wie: Gibt es ein gratis Deutschlandticket? Wie viele Urlaubstage bietet die Firma an? Ist die Bewerbungsfrist abgelaufen, filtert KI die besten Bewerber aus den Unterlagen (Screening). Theoretisch könnte KI sogar Vorstellungsgespräche führen, Mimik und Gestik des Gegenübers analysieren und schlussendlich eine Entscheidung fällen. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Derzeit wird KI nur in Teilbereichen des Recruitings eingesetzt wie dem Sourcing und Screening.
Aber auch Lehrplatz-Suchende können sich Chat GPT oder Gemini zunutze machen, indem Chatbots beim Verfassen von Anschreiben und Lebensläufen helfen. Wer sich etwa bei Formulierungen schwer tut, lässt sich von ChatGPT inspirieren.
Doch der Versuchung, eine komplette Bewerbung von der KI verfassen zu lassen, sollte man nicht nachgeben. Denn wenn es fast schon zu perfekt klingt, entlarven Personaler schnell die KI. Damit geht die Glaubwürdigkeit verloren. Es könnte der Eindruck entstehen, dass ein Bewerber nicht kreativ ist oder keine eigenständigen Ergebnisse produzieren kann.
Schlüsselworte aus Stellenanzeige einfügen
Algorithmen verarbeiten Informationen vor allem dann besonders zuverlässig, sind sie klar strukturiert und innerhalb dieser Struktur logisch angeordnet. So sollten etwa Bereiche des Lebenslaufs mit Überschriften wie „Schulzeit“ oder „Praktika“ unterteilt sein. Positiv im Anschreiben fallen auch Schlüsselwörter aus der Stellenanzeige auf. Die Formulierungen sollten präzise und aktiv sein. Die Sätze einfach und direkt zum Punkt kommen. Aussagen mit konkreten Beispielen belegt werden. Mit dieser Taktik machen Bewerber auf keinen Fall etwas falsch.
Gängige Dateiformate wie Word oder PDF können von KI-Systemen gut gelesen werden.
Wer kommunikationsstark ist, kann mit einem zusätzlichen Bewerbungsvideo punkten. Damit hebt man sich nicht nur von der Konkurrenz ab, man kann sich noch vielseitiger präsentieren. Die eigene Persönlichkeit tritt in den Vordergrund. Mimik, Gestik und Sprache lassen bessere Rückschlüsse zu als ein bedrucktes Blatt Papier. So kann der Arbeitgeber den Bewerber noch viel besser einschätzen.
Jugendliche sollten ihr Profil in sozialen Netzwerken unbedingt überprüfen - und so einstellen, dass Fremde außer dem Profilbild nichts oder zumindest nichts Negatives sehen können.
Viele Personaler informieren sich inzwischen bei Instagram und Co über Kandidaten. Sind lauter Partybilder zu finden, kann das die Chancen senken, zum Gespräch eingeladen zu werden. Denn es könnte beim Entscheider der negative Eindruck entstehen, dass der Jugendliche unreif ist oder falsche Prioritäten setzt.
Von Corina Wieẞler