In den Esslinger Pulverwiesen hat das Bauunternehmen Züblin im Auftrag des Landkreises Esslingen zwischen Mai 2022 und September 2025 das zu klein gewordene Gebäude des Landratsamts aus dem Jahr 1978 zurückgebaut und durch einen aus zwei Baukörpern bestehenden neuen Gebäudekomplex ersetzt. Mit dem Neubau des Landratsamts hat Züblin als Generalübernehmerin demonstriert, wie mit nachhaltigem und ressourcenschonendem Bauen ein Projekt gestaltet werden kann, das als Vorbild für öffentliche Bauvorhaben dient.
Das von dem Stuttgarter Büro BFK Architekten entworfene Bauwerk bietet auf 33 000 Quadratmetern Fläche 675 Arbeitsplätze für Beschäftigte in elf Ämtern und Verwaltungsstellen. Hinzu kommen Sitzungssäle, die Kfz-Zulassungsstelle, eine Kindertagesstätte und eine Kantine. Das Gebäude ist nach dem Drei-Zonen-Prinzip strukturiert, mit öffentlichen Bereichen für Beschäftigte und Besucher, mit halböffentlichen Bereichen für Personen mit Terminvereinbarung sowie mit internen Bereichen nur für Mitarbeitende. Somit können der Kundenkontakt, terminierte Gespräche und konzentriertes Arbeiten in der jeweils optimalen Arbeitsumgebung gewährleistet werden.
Modulare Bauweise bringt Flexibilität für die Zukunft
Mit modularer Bauweise können Flächen je nach Bedarf ausgewiesen und zu einem späteren Zeitpunkt umgewidmet werden, zum Beispiel Büroflächen zu Besprechungs- und Projekträumen. Mit diesem Konzept lassen sich Personalentwicklungen optimal abbilden. Dies ermöglicht zudem individuelle Arbeitsplatzkonzepte wie Desk-Sharing im Zuge der Umsetzung von Homeoffice und mobilem Arbeiten. So punktet das Landratsamt auch als attraktive Arbeitsstätte bei der Personalgewinnung und -bindung.
Das neue Verwaltungsgebäude wurde auch unter der Maßgabe des Landkreises Esslingen, dass den Anforderungen an Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft Rechnung getragen werden muss – unter dem Leitgedanken des zirkulären Bauens – errichtet Mehr als 90 Prozent des Abbruchmaterials des Bestandsgebäudes wurden recycelt oder wiederverwendet. Beton, Metalle, Gips und weitere Baustoffe wurden getrennt und in den Materialkreislauf zurückgeführt.
Nach dem Rückbau war für die Baugrube die Expertise von Züblin Spezialtiefbau gefragt. Die Lage nahe des Neckars und der Untergrund erwiesen sich als Herausforderung, für die die Spezialisten freilich eine perfekte Lösung gefunden haben. Die Züblin-Tochter Wolfer & Goebel Bau GmbH verantwortete die Rohbauarbeiten. 61 Prozent der mehr als 307 400 Kubikmeter Beton, die im neuen Landratsamt stecken, darunter die Bodenplatte, Wände, Decken und Stützen, bestehen aus Recyclingbeton.
Die Hummel Systemhaus GmbH, ein Unternehmen der Strabag PFS, hat die Elektroinstallation im Gebäude realisiert. Neben der Beleuchtung gehören dazu unter anderen auch eine Sprachalarmierungsanlage mit 1120 Lautsprechern, ein Datennetz mit rund 390 Kilometern Datenkabel, die Fluchttürsteuerungen und die Photovoltaikanlage.
Energetisch erfüllt der Neubau den KfW-Effizienzhaus-Standard 40. Vier Wärmepumpen, gespeist mit Neckarwasser, sorgen für Heizung und Kühlung. Die Photovoltaikanlage mit 481,5 kWp Leistung ist in Dach und Fassade integriert. Der Eigenverbrauchsanteil des produzierten Solarstroms liegt bei 85 Prozent. Auch die E-Ladestationen für Pkw und Pedelecs werden mit Solarstrom versorgt. Im Innenausbau kamen Cradle-to-Cradle-zertifizierte Produkte zum Einsatz. Da Züblin die Baustelle konsequent an den Standards der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ausgerichtet hatte, wird dem Unternehmen demnächst das Gold-Zertifikat für nachhaltige Neubauten der DGNB verliehen.
Züblin-Vorstandsmitglied Stephan von der Heyde sprach bei der Schlüsselübergabe im vergangenen September von einem Pilotprojekt, „das Maßstäbe für nachhaltiges Planen und Bauen gesetzt hat. Das neue Landratsamt Esslingen zeigt, dass wir auch komplexe Bauprojekte konsequent kreislaufgerecht und ressourcenschonend realisieren können.“ Der Neubau stehe exemplarisch für eine neue Generation öffentlicher Gebäude, die ökologische Verantwortung und innovative Bauweise vereinen.
Dies betonte auch Landrat Marcel Musolf. „Mit unserem Verwaltungsneubau schaffen wir modernste Arbeitswelten, fördern effiziente Verwaltungsstrukturen und tragen den aktuellen Anforderungen an Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft Rechnung.“ Peter Stotz
→ Das neue Landratsamt öffnet seine Türen am Samstag, 9. Mai, für Öffentlichkeit.
Das Großprojekt auf einen Blick
Gebäude Die Grundstücksfläche beträgt 19 140 Quadratmeter, die beiden Baukörper bieten 33 000 Quadratmeter Raumfläche. Sie verteilen sich oberirdisch auf vier und fünf Geschosse, unterirdisch auf zwei Geschosse und bieten Raum für 675 Arbeitsplätze in elf Ämtern und Verwaltungsstellen, für Sitzungssäle, Kindertagesstätte und Kantine.
Baumaterial 90 Prozent der Materialien des abgebrochenen Altbaus wurden recycelt, 61 Prozent der 307 400 Kubikmeter verbauten Betons bestehen aus Recyclingbeton.
Innenausstattung Für Bodenbeläge und Trennwände wurden hauptsächlich Cradle-to-Cradle-zertifizierte Materialien verwendet, das heißt die Komponenten eines Produkts werden wiederverwendet.
Zertifizierung Züblin soll demnächst für das Bauvorhaben das Zertifikat„Nachhaltige Baustelle“ der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) erhalten und strebt den Erwerb des DGNB-Zertifikat Gold für Neubau an.
Energie Vier Wärmepumpen, gespeist mit Neckarwasser, sorgen für den Betrieb von Heizung und Kühlung, die PV-Anlage hat eine Leistung von 481,5 kWp, das Gebäude erfüllt den KfW-Effizienzhaus-Standard 40.
Bauzeit Mai 2022 bis September 2025
Baukosten etwa 143,4 Millionen Euro pst