
Was sind aktuell die größten Herausforderungen für den Landkreis Ludwigsburg?
Seit dem vergangenen Jahr haben wir einen großen Flüchtlingszuzug, der die kommunale Ebene insgesamt, aber vor allem unseren hochverdichteten Ballungsraum stark belastet. Es wird für die kommunale Ebene immer schwieriger, neue Unterkünfte zu planen, entweder aufgrund sinkender Akzeptanz vor Ort, oder aufgrund längerer Liefer- und Bauzeiten und gestiegener Preise. Aus diesem Grund mussten wir bereits auf Notunterkünfte in Sporthallen zurückgreifen. Ich habe unsere Forderungen einer gerechteren Verteilung innerhalb der Europäischen Union und innerhalb Deutschlands schon in Richtung Bundespolitik vertreten und werde auch dranbleiben, bis konkrete Ergebnisse erzielt werden.
Ein anderes Thema ist die Wohnungsknappheit, die auch im Zusammenhang mit dem Zuzug von Geflüchteten steht. Aufgrund der Nähe zu Stuttgart und der Situation in der Region haben wir einen sehr angespannten Wohnungsmarkt auch in unserem Landkreis. Die Landkreisverwaltung treibt dieses Thema aktiv voran und hat 2022 die Bürgergenossenschaft Wohnen gegründet, die als Ziel hat, langfristig preisgedämpften und damit bezahlbaren Mietwohnraum zur Verfügung zu stellen. Erste Bauprojekte starten in Kürze in Bönnigheim und Hemmingen.
Ein weiteres aktuelles Thema ist die Gestaltung der Mobilität der Zukunft - die Verkehrswende - eine Herausforderung, der wir mit dem Prozess des Klimamobilitätsplans seit Ende des letzten Jahres aktiv begegnen.
Wie sind die Zukunftsaussichten des Landkreises?
Aktuelle Studien bescheinigen uns eine beeindruckende Wirtschaftsstärke. Im aktuellen Prognos-Zukunftsatlas der Zukunftsfähigkeit von 400 Land- und Stadtkreisen in Deutschland wird der Landkreis Ludwigsburg auf Platz 16 geführt. Es spielen vor allem die Stärke in Forschung und Entwicklung unserer bekannten Konzerne und großen Arbeitgeber eine Rolle. Positiv ist, dass die Aktivitäten zur Digitalisierung in den verschiedenen Branchen deutlich an Fahrt aufgenommen haben. Und auch im Wandel in der Automobilindustrie vom Verbrennungsmotor hin zu Elektroantrieben sind erste Erfolge und Zukunftsperspektiven zu erkennen.
Unsere Stärke beruht auf dem hoch qualifizierten Arbeitsmarkt im Landkreis, der starken Infrastruktur und verkehrlichen Erreichbarkeit, und der hohen Kaufkraft in der Bevölkerung. Dennoch stehen wir an einem Wendepunkt. Für den tief greifenden Wandel muss sich auch der Landkreis Ludwigsburg weiter engagieren. Wir müssen Unternehmensgründungen fördern und unterstützen, Unternehmen in der Transformation die notwendigen Flächen und Arbeitskräfte zur Verfügung stellen, und Unternehmen im ökologischen Wandel und der Energiewende unterstützen. Auch unsere Kinder und Enkel sollen so gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt vorfinden wie wir.
Worauf freuen Sie sich beim dreitägigen „Landkreisfeschd“ am meisten?
Es wird so viele Highlights an diesem Festwochenende geben, dass ich mich gar nicht auf etwas konkretes festlegen möchte. Im Mittelpunkt steht für mich, mit unseren Bürgerinnen und Bürgern aus allen 39 Kommunen gemeinsam unseren Landkreis zu feiern - und damit auch das 50-jährige Bestehen der Kreisreform. Mir ist es wichtig, dass die Menschen gerne im Landkreis leben und wir als Landkreisverwaltung unseren Teil dazu beitragen. Deshalb ist das Landkreisfeschd eine gute Gelegenheit, den Landkreis und die Aufgaben des Landratsamts bei den Bürgerinnen und Bürger präsenter zu machen - auf ganz niedrigschwellige Art und Weise: Es wird einen großen Kinderbereich geben, einen autonomen Bus, Blitzer- und Rauschbrillen-Simulation, einen begehbaren Darm, eine Chillout-Area mit Weinsträßle, das Sanierungsmobil der Energieberater sowie weitere Vorträge und Aktionen plus regionale Gastronomie. Kommen Sie vorbei und feiern Sie mit uns vom 23. bis zum 25. Juni - es lohnt sich! pm