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36. Theaterhaus Jazztage Stuttgart: Vielfarbiges Musikmosaik

17 Konzerte vom 28. März bis 12.: Auftritte von Abdullah Ibrahim, Michael Wollny & Émile Parisien und den Wolfgang Haffner Groove All Stars, Tribute-Abende für Miles Davis und John Coltrane

36. Theaterhaus Jazztage Stuttgart: Vielfarbiges Musikmosaik

Foto: Veranstalter

Was ist Jazz? Vielfältige Antworten auf diese Frage gibt es bei den 36. Theaterhaus Jazztagen vom 28. März bis 12. April auf dem Pragsattel. Die Palette des bemerkenswerten Line Ups reicht dabei von traditionsbewusst bis experimentell und spielt mit musikalischen Elementen aus der ganzen Welt, dem Lebensgefühl vieler Generationen und Groove-Varianten ohne Grenzen.

Bei der 36. Ausgabe der Theaterhaus Jazztage treffen bei insgesamt 17 Konzerten gefeierte Persönlichkeiten auf junge Projekte, Duo-Momente auf Bigband-Power, Tradition auf Gegenwart. Höhepunkte werden sicherlich die Veranstaltungen mit Abdullah Ibrahim, Joachim Kühn & The Young Lions, das Duo Michael Wollny & Émile Parisien, die Wolfgang Haffner Groove All Stars & Nils Landgren, The Bad Plus mit Chris Potter & Craig Taborn und die beiden großen Geburtstagsabende, die traditionell immer Bestandteil der Theaterhaus Jazztage sind: „100 Jahre John Coltrane“ und „100 Jahre Miles Davis“.

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Wer die Vielfältigkeit und Genialität von Miles Davis liebt, der ist am 6. April bestens aufgehoben, wenn das Martin Auer Quintett und der Sprecher Christian Brückner diese außergewöhnliche Persönlichkeit neu beleuchten. Coltrane-Fans sollte sich auf jeden Fall den 10. April vormerken und dürfen sich auf zwei großartige Ensembles freuen: das Nathan Ott Quartet mit dem Saxofonisten Christof Lauer sowie das Programm „Late Trane“ mit dem Oboisten Jean-Luc Oboman Fillon, Jazz-Fagottist Paul Hanson und Perkussionist Jarrod Cagwin (Foto oben).

Der Eröffnungsabend am 28. März steht unter dem Motto „Wenn Legende auf Next Gen trifft“. Mit Leben wird er erfüllt von Joachim Kühn & The Young Lions sowie dem Duo Michael Wollny & Émile Parisien. Am nächsten Tag begegnen sich Rap, Rock und Soul beim Konzert von Thomas D und The KBCS. Kuhn Fu bringen am 31. März ihre explosive Jazz-Rock-Psychedelia auf die Bühne, gefolgt von Gilipojazz. Zwei weitere Doppelkonzerte gibt es am 2. April mit Olivia Trummer und ihrer Band sowie dem PianoTrio Triosence, parallel dazu ein weiteres mit dem Tara Lily Duo und dem Trio Enji, das von der stillen Kraft der mongolischen Sängerin Enji geprägt wird.

Zwischen zwei Welten bewegt sich die „European Jazz Night“ am 3. April mit Saxofonist Jakob Manz. Manz zählt zu den gefragtesten und erfolgreichsten Saxofonisten im jungen deutschen Jazz. Er ist aktueller Jazz-Resident der Alten Oper Frankfurt, spielt mit seinen eigenen Bands regelmäßig auf großen Jazzfestivals oder begleitet Popstars wie Sarah Connor auf ihrer Arena Tour. Exklusiv für die Theaterhaus-Jazztage präsentiert er„Sounds between Two Worlds“. Für die erste Hälfte des zweiteiligen Abends hat er unter anderem die Pianistin Shuteen Erdenebaatar aus der Mongolei, eingeladen. „Shuteens Musik hat eine unglaubliche Weite, Melancholie und versetzt uns in eine andere Welt“, sagt Manz. Im zweiten Teil steht Percussionist Rhani Krija mit auf der Bühne. Er spielte unter anderem schon mit Sting.

Mit den Wolfgang Haffner Groove All Stars und ihrem Special Guest Nils Landgren startet am 4. April einer der international renommiertesten deutschen Schlagzeuger und Produzenten ein neues, hochenergetisches Projekt - groovig, zutiefst musikalisch und absolut tanzbar. Am selben Abend gibt Startenor Matthias Klink seinen Brecht/ Weill-Abend „Youkali“ mit seiner Frau, der Sopranistin Natalie Karl, und dem vielfach ausgezeichneten Magnus Mehl-Quartett.

Um Groove, Gemeinschaft und Teilhabe geht es am 5. April mit Groove Inclusion. Das zweite Konzert an diesem Abend bestreiten der brasilianische Pianist Armaro Freitas und The Bad Plus feat. Chris Potter und Craig Taborn mit Keith Jarretts „American Quartet“. Der 6. April gehört dem Pianisten Abdullah Ibrahim als Solokünstler.

Die Liste der klangvollen, internationalen Namen setzt sich am 9. April fort mit Rebekka Bakken, dem französischen Duo Charlotte Planchou und Mark Priore sowie ihrem Landsmann, dem Posaunisten Robinson Khoury mit seinem Trio. Aus Kanada kommt am 10. April der Pianist Tony Ann, aus Stuttgart die Musikerin Gaisma und gebürtig aus New York die Sängerin Sorvina, beide am 11. April. Nicht zu vergessen: das vierköpfige Lauren Newton Vocal Ensemble Sensing. Den Abschluss macht am 12. April das Landesauswahlensemble für junge Jazztalente.


Musikalische Sprengkraft

Besonders spannend wird Jazz, wenn sich die Ausführenden keinem Genre zurechnen lassen, nur ihrem ganz eigenen. Kuhn Fu ist dafür ein perfektes Beispiel mit seinem Sound, der Zappa-Geist, Surfsounds, Metal-Riffs, Kabarett-Witz und improvisatorische Freiheit zu einer einzigen, packenden Erzählung verschmilzt. Zu erleben am 31. März. Perfekter Sparringspartner für dieses Doppelkonzert ist das madrilenische Trio Gilipojazz mit seiner Show, die zwischen Jazzclub, Punkkeller und Prog-Arena zündet - unberechenbar, virtuos und herrlich respektlos.

Farben aus der Weltmusik prägen den Sound des Tara Lily Duos mit Sängerin und Pianistin Tara Lily und Sitar-Spieler Veena Sathiendran: dunkler, jazzgetränkter R&B, elektronische Texturen und eine unverwechselbare Stimme. Ideal fügt sich zu diesem Doppelkonzert am 2. April die stille Kraft der mongolischen Sängerin Enji.

Ein echtes Klavierwunderkind ist der junge Kanadier Tony Ann. Mit seinem Spiel verbindet er zeitgenössische und klassische Stile nahtlos miteinander und erweitert dabei mit brillanten Harmonien, atemberaubender Technik und emotional aufgeladenen Melodien die Grenzen der neoklassischen Musik - so auch am 10. April. red


Preisgekrönte Klänge aus Frankreich

Charlotte Planchous gemeinsam mit dem Pianisten Mark Priore aufgenommenes Album „Le Carillon“ wurde in Frankreich mehrfach ausgezeichnet, Planchou zur „Vocaliste de l'année“ gewählt. Mit Liedern von Kurt Weill, Benjamin Britten, Jan-Marie Carlotti, Léo Ferré, Henry Purcell und Carole King schaffen sie Momente von seltener Aufrichtigkeit - zu erleben am 9. April.

Die zweite Hälfte dieses Abends gehört dem französischen Posaunisten und Komponisten Robinson Khoury. Er verbindet mit seinem Trio MŸA Jazz und nahöstliche Tonleitern mit elektroakustischen Texturen aus modularem Synthesizer. Im März 2025 erhielt er den Prix Django Reinhardt. red


Vokale Abenteuerreise

Lauren Newton ist eine der wichtigen Vokalistinnen des Jazz. Unvergleichlich ist ihr instrumental und vor allem perkussiv orientierter Stil mit seiner technischen Perfektion, der stimmlichen Dimensionierung und den fantasievollen Kombinationen musikalischer Materialien. 2025 wurde sie dafür mit dem Albert-Mangelsdorff-Preis ausgezeichnet. Am 11. April ist sie mit dem Vokalensemble Sensing im Theaterhaus zu erleben: eine Abenteuerreise, ein Weg zwischen Sprechen und Singen, ein lebendiger Organismus, in dem ein kontinuierlicher kreativer Austausch zwischen den Einzelstimmen und dem vokalen Korpus stattfindet. Die Stimmen verschmelzen mit der Raumakustik, transzendieren Zeit und Raum. red


Norwegische Klänge, eigene Songs

Die norwegische Sängerin Rebekka Bakken präsentiert am 9. April bei den Theaterhaus-Jazztagen ihr neues Album „Nord“. Erstmals singt sie darauf nahezu ausschließlich in ihrer Muttersprache und verbindet dabei spirituelle Hymnen und traditionelle Folk-Melodien mit neuen eigenen Songs – Tradition in Gegenwart verwandelt. An Rebekka Bakkens Seite sind an diesem Abend Stein Austrud an den Keys, Eivind Aarset an der Gitarre, Svein Schultz am Bass und Rune Arnesen an den Drums. red


Im Zeichen der Tastenkunst

Der Brasilianer Amaro Freitas, der in einem Vorort von Recife aufwuchs, erregte schon in seiner Jugend als „Wunderkind“ großes Aufsehen. Seine Debütalben wurden rasch international bekannt; es hieß, er habe „einen Zugang zum Keyboard entwickelt, der schlicht einzigartig ist“. Auch in der Elbphilharmonie hat er begeistert. Am 5. April spielt er die erste Hälfte des Doppelkonzertes. red