Das kann kein Zufall sein! Wieso nennt der Berliner Gitarrist und Komponist Christian Kühn sein Ensemble Kuhn Fu? Das Ganze klingt doch sehr nach dem chinesischen Begriff, den man mit Kampfsport assoziiert, der aber eigentlich nur den Grad einer durch harte Arbeit erworbenen Kunstfertigkeit und die dafür aufgebrachte Zeit und Anstrengung benennt. Dass dies auch viel mit Kuhn Fu zu tun hat, liegt nahe: explosiver Jazz-Rock-Psychedelia mit einem Sound, der Zappa-Geist, Surfsounds, Metal-Riffs, Kabarett-Witz und improvisatorische Freiheit zu einer einzigen, packenden Erzählung verschmilzt. Eine wuchtige Bläserfront trifft auf eine treibende Rhythmusgruppe - ungewöhnlich, wunderschön und energiegeladen. Mit Christian Kühn jammen am 31. März Saxofonist John Dikeman und Saxofonistin Sofia Salvo, Bassist Esat Ekincioglu und Percussionist George Hadow. Der perfekte Sparringspartner für dieses Doppelkonzert ist das madrilenische Trio Gilipojazz mit seiner Show, die zwischen Jazzclub, Punkkeller und Prog-Arena zündet - unberechenbar, virtuos und herrlich respektlos. Wer Fusion liebt und sich gerne überraschen lässt, sollte unbedingt dabei sein bei diesem Konzert, das garantiert nicht im Sitzen endet. Drei Stimmen und drei Instrumente mit einem gemeinsamen Groove, das sind Ángel Cáceres am Bass, Iker García an der Gitarre und Pablo Levin an den Drums.
Farben aus der Weltmusik prägen den Sound des Tara Lily Duos mit Sängerin und Pianistin Tara Lily und Sitar-Spieler Veena Sathiendran. Aufgewachsen in einem britisch-bengalischen Haushalt in Peckham, zwischen Punk, bengalischer Folklore und klassischem Jazz, entwickelte Tara früh eine radikal offene musikalische Sprache. Diese Klangwelten verwandelt sie in intensives Storytelling: dunkler, jazzgetränkter R&B, elektronische Texturen und eine unverwechselbare Stimme. Ideal fügt sich zu diesem Doppelkonzert am 2. April die stille Kraft der mongolischen Sängerin Enji mit ihrem Trio. Ihre Lieder erzählen oft von Herkunft, Sehnsucht und dem Mut, sich selbst neu zu verorten. Sie lässt Jazz und Folk so selbstverständlich ineinanderfließen. Enji kommt in der bewährten Trio-Besetzung mit Bassist River Adomeit, Co-Komponist Paul Brändle und ihrer Musik als Lebensgeschichte, die alle berührt.
Ein echtes Klavierwunderkind ist der junge Kanadier Tony Ann. Mit seinem Spiel verbindet er zeitgenössische und klassische Stile nahtlos miteinander und erweitert dabei die Grenzen der neoklassischen Musik, indem er Elemente des Pop integriert. Mit brillanten Harmonien, atemberaubender Technik und emotional aufgeladenen Melodien sind seine Originalkompositionen ein Hit in den sozialen Medien: Über 1 Milliarde Videoaufrufe, 300 Millionen Streams und 7 Millionen Follower sprechen für sich. Seine Welttournee brachte ausverkaufte Shows in New York, Los Angeles und Tokio. Im Rahmen seiner Deutschland-Tour macht Tony Ann nun am 10. April auch bei den Theaterhaus-Jazztagen Station, bevor er dann im Juli beim legendären Montreux Jazzfestival auftreten wird.
Von Gabriele Metsker
Étoiles mit Groove
Frisch aus Frankreich kommen am 9. April Charlotte Planchou und Mark Priore sowie Robinson Khoury.
Es ist eine besondere Mischung, welche die französische Jazzmusikerin Charlotte Planchou gemeinsam mit dem Pianisten Mark Priore für das 2024 erschienene Album „Le Carillon“ zusammengestellt hat. In Frankreich wurde es mehrfach ausgezeichnet, Planchou daraufhin zur „Vocaliste de l'année“ gewählt. Lieder von Kurt Weill, Benjamin Britten, Jan-Marie Carlotti, Léo Ferré, Henry Purcell und Carole King haben sie gewählt. Zwischen Jazz, Chanson und Poesie entsteht so ein Moment von seltener Aufrichtigkeit - anspruchsvoll, zugänglich, zeitlos. Zu erleben ist das am 9. April.
Aus anderen Quellen schöpft der französische Posaunist und Komponist Robinson Khoury. Seinem Trio MŸA gehört die zweite Hälfte des Konzertabends. Khoury gilt als einer der markantesten Aufsteiger des aktuellen europäischen Jazz. Er verbindet Jazz und nahöstliche Tonleitern mit elektroakustischen Texturen aus modularem Synthesizer. Zum Trio gehören ferner Perkussionistin und Vokalistin Annissa Nehary sowie Léo Jassef, der die Tasten von Piano und Synthesizer drückt und auch singt. Gemeinsam begeben sich die drei auf die musikalische Suche nach den organischen Ursprüngen des Lebens und verwenden dabei uralte Rhythmen und Klänge sowie wortlosen Gesang. Im März 2025 erhielt Robinson Khoury die bedeutendste Auszeichnung Frankreichs: den Prix Django Reinhardt - als bester Jazzmusiker des Jahres.
red
Vokale Abenteuerreise
Lauren Newton ist eine der wichtigen Vokalistinnen des Jazz. Unvergleichlich ist ihr instrumental und vor allem perkussiv orientierter Stil mit seiner technischen Perfektion, der stimmlichen Dimensionierung und den fantasievollen Kombinationen musikalischer Materialien. 2025 wurde sie dafür mit dem Albert-Mangelsdorff-Preis ausgezeichnet. Am 11. April ist sie mit dem Vokalensemble Sensing im Theaterhaus zu erleben: eine Abenteuerreise, ein Weg zwischen Sprechen und Singen, ein lebendiger Organismus, in dem ein kontinuierlicher kreativer Austausch zwischen den Einzelstimmen und dem vokalen Korpus stattfindet. Die Stimmen verschmelzen mit der Raumakustik, transzendieren Zeit und Raum.
red
Musikalisches Tagebuch
Die in Stuttgart aufgewachsene Olivia Trummer ist international bekannt. Am 2. April kommt sie ins Theaterhaus.
Seit ihrem Album-Debüt „Nach Norden“ 2006, also vor genau 20 Jahren, gilt die in Stuttgart geborene Pianistin, Sängerin und Komponistin Olivia Trummer als eine der interessantesten Jazzstimmen ihrer Generation - früh wurde sie mit Nina Simone in Verbindung gebracht und als „young, gifted and deutsch“ gefeiert. Zahlreiche Preise hat sie bereits erhalten, darunter 2019 den Jazzpreis Baden-Württemberg. Den 20. Jahrestag ihrer ersten Albumveröffentlichung nimmt die Pianistin und Sängerin nun zum Anlass, am 2. April in ihrem eigenen „Songbook“ zu blättern wie in einem Tagebuch. Gemeinsam mit ihren Musikern präsentiert sie ihre persönlichen Lieblingsstücke aus zwei Jahrzehnten - ergänzt um einige neue Songs. Die Kompositionen schöpfen aus Jazz, Soul, Singer-Songwriter-Tradition und Blues. Musikalisch an ihrer Seite sind Posaunist Johannes Lauer, Bassist Makar Novikov und Percussionist Bodek Janke.
Die zweite Hälfte dieses Doppelkonzertes am 2. April gestaltet Triosence. Mit über 25 Millionen Streams, ausverkauften Konzerten rund um den Globus und gefeierten Alben gehören sie seit Jahren zu den spannendsten Piano-Trios Europas. Bandleader Bernhard Schüler, Omar Rodriguez Calvo und Tobias Schulte nennen ihren Stil „Song Jazz“. Er ist geprägt von klaren, eingängigen Melodien und songartigen Strukturen, die dennoch reich an Nuancen, harmonischen Wendungen und Überraschungen sind.
red