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ARTA Gruppe: Handwerk damals, heute und morgen

Interview mit Ulrich und Sebastian Kraft zu Herausforderungen, Fachkräftemangel, Digitalisierung, Ausbildung und Entwicklung im Handwerk sowie Perspektiven für die nächsten zehn Jahre

ARTA Gruppe: Handwerk damals, heute und morgen

Von links: Sebastian Kraft mit einem Bild von Ludwig Kraft, in der Mitte Firmengründer Louis Kraft und Ulrich Kraft mit einem Bild von Otto Kraft. Fotos: ARTA

Herr Kraft, 150 Jahre Unternehmensgeschichte sind eine lange Zeit. Wie stehen Sie dazu?

Ulrich Kraft: Dass ein Unternehmen über fünf Generationen hinweg marktfähig bleibt, zeigt, dass man sich den jeweiligen Herausforderungen immer wieder stellen konnte. Gerade in den heutigen, sehr unsicheren Zeiten ist das nicht selbstverständlich. Für Mitarbeiter, Kunden und Partner ist es aber auch ein wertvoller Baustein, dass es hier eine Konstante gibt – gerade in einem Bereich wie Bauen, Wohnen und Renovieren, mit dem wir uns immer beschäftigt haben. Zugleich ist es für uns ein Zeichen, dass wir in der Vergangenheit offenbar die richtigen Themen aufgegriffen haben und der Markt diese Leistungen angenommen hat. Dafür sind wir sehr dankbar.

Unternehmen aus der Region

Was waren für Sie persönlich die größten Herausforderungen?

Ulrich Kraft: Sicherlich war die Übernahme des ersten größeren Unternehmens in Stuttgart-Vaihingen eine der größten Herausforderungen, weil dieses Unternehmen damals fast so groß war wie unser eigener Betrieb. Das war eine sehr mutige Entscheidung. Ein weiterer prägender Schritt war mit der Albrecht Fensterbau GmbH die Vervollständigung der Leistungen rund um die Gebäudehülle.

Welche Bedeutung hat es für Sie, Unternehmen zu übernehmen, die keinen Nachfolger haben?

Ulrich Kraft: Nicht jedes Unternehmen ist in der glücklichen Lage, dass sich eine nächste Generation den Herausforderungen stellen will. Wenn wir in solchen Fällen Knowhow, Mitarbeiterkompetenz und Kundenvertrauen erhalten können, stärkt das das Handwerk insgesamt. Gleichzeitig ist es natürlich auch für uns eine Chance, Kompetenz ins eigene Unternehmen zu holen und weiter zu wachsen. Das gilt etwa auch für jüngere Beispiele wie in Pforzheim.

Der Firmensitz in den 60er Jahren.
Der Firmensitz in den 60er Jahren.

Herr Kraft, wie begegnen Sie dem Fachkräftemangel?

Sebastian Kraft: Für uns ist es enorm wichtig, das Handwerk attraktiv zu halten. Deshalb sind wir aktiv in Schulen unterwegs, werben in der Region für den Beruf und zeigen, wie viel Kompetenz Bauen und Sanieren heute tatsächlich verlangt. Wir wollen auch gezielt Frauen für das Handwerk gewinnen, sind regelmäßig beim Girls' Day dabei und freuen uns, dass die Aufmerksamkeit junger Menschen für diesen Bereich wieder wächst. Dazu kommen unsere Ausbildungs- und Studienangebote: Ausbildung Plus, der Ausbaumanager und duale Studiengänge, mit denen wir seit gut 40 Jahren arbeiten und die wir ständig weiterentwickeln.

Unternehmen aus der Region

In welcher Form kann Digitalisierung das Handwerk verändern?

Sebastian Kraft: Zum einen geht es um die digitale Informationskette – von der ersten Anfrage bis zur Aufbewahrung aller Projektdaten viele Jahre später. Das hilft bei Teamorganisation, Materialdisposition und Ablaufplanung und stellt sicher, dass Baustellen auch dann stabil weiterlaufen, wenn einzelne Personen einmal fehlen. Darüber hinaus wird der digitale Zwilling von Gebäuden künftig helfen, Sanierungen sehr viel genauer vorzubereiten. Und auch Themen wie Robotik oder serielle Sanierung werden das Handwerk verändern. Wir glauben aber, dass es im Bauen, Renovieren und Sanieren vor allem auf ein Tandem aus digitalen Technologien und Handwerkern hinauslaufen wird.

Unternehmen aus der Region

Wo sehen Sie die ARTA Gruppe in den nächsten zehn Jahren?

Sebastian Kraft: Als junger Familienvater ist es mir ein Anliegen, das Unternehmen vielleicht auch für eine sechste Generation fit zu halten. Gleichzeitig wollen wir einen gesellschaftlichen Beitrag leisten, gerade beim Thema Nachhaltigkeit in Gebäuden. Mein Wunsch wäre, dass wir am Ende eine Gruppe haben, die gemeinsam mit Eigenbetrieben und Partnerunternehmen alle Handwerksleistungen rund um Renovierung und um Sanierung aus eigenem Haus anbieten kann.